Das Apostolische Glaubensbekenntnis IV: Gott, der Allmächtige, der Schöpfer

Wir nennen Gott „allmächtig“, weil es nichts gibt, was nicht von Gott geschaffen wurde und nichts, durch das Gott zu irgendetwas gezwungen werden könnte. Er ist völlig frei, auch von Zeit und Raum. Wir brauchen aber keine Angst haben, dass Gott willkürlich handelt und heute dies und morgen das Gegenteil tut. Denn Gott hat sich aus freien Stücken selbst gebunden: er hält sich an seine Versprechen, er ist wahrhaftig und treu. Er hat dem Menschen die Freiheit gegeben. Diese Freiheit schließt auch mit ein, dass wir Gott ablehnen können und uns gegen ihn und gegen das Gute entscheiden können. Sie schließt auch mit ein, dass die Welt, die uns umgibt, ihre eigene Art von Freiheit hat. Daher kommen die Unvollkommenheiten, die Schmerzen und das Leid in der Welt. Die Freiheit ist aber die Vorbedingung dafür, dass es Liebe gibt.
Gott hat das Universum geschaffen und mit der Freiheit auch die Entwicklungsmöglichkeiten, die im Universum drinstecken. Daher schließen sich Glaube und Evolution nicht aus. Gott überlässt die Welt aber auch nicht einfach ihrem Schicksal, sondern geht mit ihr mit, er hat dem Menschen die Würde und Möglichkeit gegeben, an der Welt mitzuarbeiten, und Gott erhält die Welt in jedem Augenblick im Sein. Gott macht den Unterschied zwischen Nichts und Sein, zwischen Nichts und Etwas.

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Das biblische Alter der Urväter

Eine interessante Frage, die mir heute gestellt wurde: Was hat es mit dem unwahrscheinlich hohen Alter der Urväter auf sich? Nach Gen 5 soll Adam 930 Jahre alt geworden sein, andere Urväter lebten ähnlich lange. Noah soll im Alter von 500 Jahren drei Söhne gezeugt haben.

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Übertritt vom katholischen Glauben zum evangelischen im Kindesalter?

Ich hatte meine Schüler der 10.Klasse gebeten, mir eine Frage zu stellen, die ich Ihnen  zum Abschluss der Realschulzeit in Sachen Religion noch beantworten kann. Einige Antworten möchte ich gerne hier und in der weiteren Folge veröffentlichen. Vielleicht kann es für den einen oder die andere auch ein Gedankenanstoß sein.

Jemand stellte also die Frage: Kann man sich im Kindesalter vom katholischen Glauben zum evangelischen Glauben bekennen?

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Leben nach dem Tod?

Ich hatte meine Schüler der 10.Klasse gebeten, mir eine Frage zu stellen, die ich Ihnen zum Abschluss der Realschulzeit in Sachen Religion noch beantworten kann. Einige Antworten möchte ich gerne hier und in der weiteren Folge veröffentlichen. Vielleicht kann es für den einen oder die andere auch ein Gedankenanstoß sein.

Eine Schülerin hat mich gefragt: Welcher Meinung sind Sie, glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Meine Antwort lautet:

Ja, ich glaube an ein Leben nach dem Tod – so sehr, dass ich mir um die Verstorbenen keine Sorgen mache. Ich glaube an ein Leben nach dem Tod, weil es mir zynisch und grausam vorkommt, anzunehmen, der Tod wäre das endgültige Ende – wo bliebe dann die Hoffnung? Welche Bedeutung hätte dann die Sehnsucht nach Leben, die in jedem Leben drinsteckt? Was wäre sonst mit denen, die hier in diesem Leben nur Ungerechtigkeit, Schmerz und Verfolgung erlebt haben? Was ist mit all den unerfüllten Hoffnungen und Wünschen, die hier in diesem Leben nicht erfüllt werden können? Ich kann nicht glauben, dass das alles nur Illusion, ein Konstruktionsfehler oder purer Zufall ist. Ich glaube, dass die Sehnsucht nach Leben auf eine Erfüllung vorausweist, auf ein endgültiges Glück, das noch kommen wird.

Der Tod steht wie eine Mauer vor uns, über die wir nicht darübersehen können, wie ein Graben, der mit einem Sprung überwunden werden muss. Aber wir sind nicht ganz im Dunklen. Es sind nicht die Reinkarnationsberichte oder Nahtoderfahrungen, die sind für mich nicht stichhaltig, weil sie entweder psychologisch erklärbar sind oder logisch unmöglich.

Ich glaube an einen Gott, der die Menschen und das Leben liebt. Warum er die Welt so geschaffen hat, dass es den Tod gibt, kann ich nicht erklären, aber ich vertraue darauf, dass er seine geliebten Geschöpfe nicht dem endgültigen Untergang preisgibt, dass er eine Beziehung eingeht mit allem, was er geschaffen hat und dass diese Beziehung wie ein Faden ist, an dem er mich und uns und alles hinüberzieht über den Graben des Todes, ins ewige Leben. Wie das dann aussehen wird, weiß ich nicht, und ich möchte es mir auch gar nicht so detailliert ausmalen. Aber es hat mit Glück zu tun, mit Zusammensein mit denen, die ich mag, mit Versöhnung und mit ganz viel Liebe.

Die anderen Beiträge der Reihe:

Beten im Verborgenen – zu Mt 6,5-8

Macht es nicht wie die Heuchler – eine Mahnung steht im Evangelium. Das griechische Wort für Heuchler heißt eigentlich “Schauspieler”. Die Mahnung lautet also: Wenn ich bete, dann spreche ich mit Gott – welche Außenwirkung das hat, darauf soll es mir nicht ankommen.
Dass an dieser Stelle das Gebet im Verborgenen so hervorgehoben wird, bedeutet im übrigen keine keine Verurteilung des gemeinsamen Gebets oder des Gottesdienstes, solange wir auch dabei immer bedenken, dass auch dieses Gebet, dass auch Gottesdienst immer authentisch sein soll.

Worin liegt aber der besondere Wert des Betens im Verborgenen?
Das Da-Sein für sich ist der Beginn des Betens. Ohne Ablenkung sich selbst aushalten, in der stillen Kammer oder draußen in der Natur. Da erfahren Menschen, dass sich in der Stille und im Alleinsein, mehr im Hören als im Sprechen etwas öffnet, eine Erfahrung auftut, ein Spüren und Ahnen, dass da jemand ist, Gott, ein großes Du, der sich uns Menschen in liebender Aufmerksamkeit und Güte zugewandt hat und immer wieder zuwendet. So bereitet die Verborgenheit dem authentischen Gebet den Boden.

Das Gebet zielt auf die Beziehung zu Gott. Beten ist: Die Beziehung zu Gott zu suchen, ihm nachzuspüren, diese Beziehung zu pflegen: indem wir Gott bitten, indem wir ihn loben, indem wir ihm danken, aber auch das ist Beziehungsaufnahme, wenn wir ihn zornig anklagen oder ohnmächtig anschreien. Und nicht zu vergessen: wenn wir einfach da sind und schweigen.

Wir sprechen nicht zu Gott, weil Gott uns nötig hätte, sondern weil es uns gut tut, in Beziehung zu Gott zu treten. Gott respektiert unsere Freiheit. Er ist immer da, er wartet geduldig. Deshalb ist es zeitlebens nie zu spät, dass wir uns von uns aus öffnen und ihm zuwenden.

In dieser Beziehung zu Gott liegt das Leben. Diese Beziehung, die Gott von sich aus zu jedem Menschen knüpft, reißt – so glauben wir – durch den Tod nicht ab. Diese Beziehung ist wie ein Faden, an dem Gott uns festhält, auch über den Tod hinaus.