Auf dem Trauerweg – zur Emmauserzählung Lk 24,13-35

Es ist der Ostertag, an dem diese Erzählung spielt. Aber von Osterfreude und jubelndem Halleluja ist nichts zu hören. Niedergeschlagen, verzweifelt und tieftraurig gehen zwei Jünger Jesu weg. Weg von Jerusalem, weg von der Stadt, in der sie ihre Hoffnung begraben haben. Sie sind ratlos, hilflos und verwirrt. Dieser Tod war für sie eine Katastrophe.

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Erstkommunionvorbereitung – Beziehung braucht Zeit und Begegnung

Im Nachhinein und nach den Rückmeldungen zur diesjährigen Erstkommunionvorbereitung möchte ich aus den Erfahrungen und Beobachtungen der vergangenen Jahre ein neues Konzept Erstkommunionvorbereitung ins Gespräch bringen, das ich unter das Motto „Beziehung braucht Zeit und Begegnung“ stellen möchte.

Erfahrungen und Beobachtungen

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Das Apostolische Glaubensbekenntnis VI: seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, …

Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe.

Die einzigartig enge Verbindung zu Gott drücken die Evangelien dadurch aus, dass Jesus an mehreren Stellen als „Sohn Gottes“ bezeichnet wird. Er ist der einzige, für den Gott in dieser besonderen Weise Vater ist.
Der Titel „Herr“ war im Alten Testament Gott selbst vorbehalten. Wenn wir Jesus also „Herr“ nennen, dann bekennen wir, dass Jesus göttliche Würde hat. Er war also mehr als nur ein Prophet, und mehr als ein Mensch.

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Joseph Ratzinger: Demokratie in der Kirche – Zusammenfassung (Teil 2)

Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe.

Kapitel 2: Demokratische Auslegung der Grundelemente des Kirchenbegriffs 

1. Verschiedene Teilbegriffe

(24) Brüderlichkeit: grundsätzliche Aussage über die Existenz im Glauben, nicht direkt institutionell anwendbar, aber durchaus politisch wirksam.

(25) Ratzinger kritisiert das funktionale Amtsverständnis: die neutestamentlichen Ämter werden kontextfremd als fallweise Dienstleistungen ausgelegt. Aus dem Apostel als „Vater“ wird der Funktionär. Die Folgen: sorgfältige Begrenzung der Pflichten statt ständiger Verfügbarkeit, Wahrnehmung der eigenen Rechte verdrängt die Rechte des anderen.

(26) Charisma: ist historisch gesehen gerade kein demokratisches, sondern pneumatisches Prinzip, unverfügbare Ermächtigung von oben!

(27) Synodale Struktur, Kirche als Volk Gottes. Tragen tatsächlich zum Aufbau demokratischer Elemente in der Kirche bei, wenn sie nicht unkritisch gebraucht werden.

2. „Volk Gottes“

Laut Konzil drückt der Volk-Gottes-Begriff die fundamentale Gleichheit aller Getauften aus -> wird von einigen unsachgemäß auf die Laien verkürzt -> (28) bezeichnet in der Bibel keine soziologische Größe, sondern das Volk Israel als „eine bestimmte Stufe des göttlichen Erwählungshandelns“. „Ecclesia“ („Versammlung“) ist die Selbstbezeichnung der frühen Kirche, es geht um die über Israel hinausgehende Sammlung und Reinigung des Gottesvolkes für das Reich Gottes, sie ist aktiver Vorgang der Versammlung, (29) im engeren Sinn Zusammenkommen von Christen zum Gedächtnis von Tod und Auferstehung des Herrn.

Zum nächsten Beitrag der Reihe.

Sehnsucht nach Erlösung – zu Offb 21,1-5

Die Sehnsucht nach Ganzheit, nach Vollendung, nach Erlösung hat die Menschen in biblischer Zeit genauso (noch mehr?) bewegt als uns heute. Der Seher Johannes hat im letzten Buch der Bibel seine Vision niedergeschrieben von diesem Gott, der eines Tages das vollendete Glück herbeiführen wird und sich als der zeigen wird, der er schon immer war: Jahwe, der Ich-bin-da, inmitten seines Volkes.

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Das Apostolische Glaubensbekenntnis V: Jesus Christus

Im Kern des christlichen Glaubens steckt die Überzeugung, dass sich Gott in dem Menschen Jesus von Nazareth in endgültiger Weise gezeigt hat. An Jesus konnte und kann man ablesen, wie Gott wirklich ist.

Der hebräische Name „Jesus“ bedeutet: „Gott rettet“. Das Wort „Christus“ ist kein Nachname, sondern ein Titel: es heißt „der Gesalbte“ (auf hebräisch: „Messias“). In Israel, wo Jesus lebte, wurden Menschen gesalbt, die eine besondere Würde und einen besonderen Auftrag von Gott bekommen hatten, z.B. Könige, Priester und Propheten.

Die Menschen zur Zeit Jesu hofften auf den Messias, der sie befreien und retten würde. Wenn wir Jesus als den „Christus“ bezeichnen, dann meinen wir damit, dass dieser Jesus der endgültige Retter und Befreier ist, der die Sehnsucht der Menschen nach Gerechtigkeit, Frieden und Liebe erfüllen kann.

Zum vorherigen Artikel: Gott, der Allmächtige, der Schöpfer

Zum nächsten Beitrag.

Glaube, nicht Leistung – zu Joh 3,13-18

Zur Bibelstelle Joh 3,13-18 die folgenden Gedanken:

Nur wer was leistet, gilt auch was. Nur wer was leistet, ist anerkannt, ist wer.

Diese Haltung ist, so denke ich, in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Wir sind alle stolz darauf – und zu Recht – wenn wir mit Anstrengung etwas geschafft haben. Wir dürfen diese Haltung aber nicht auf Gott übertragen.

Wenn es um Gott geht und um die letzten Dinge, zählt nicht Leistung, sondern etwas anderes: Glauben.

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Joseph Ratzinger: Demokratie in der Kirche – Zusammenfassung (Teil 1)

In der nun beginnenden kleinen Serie möchte ich aus dem Bändchen

Joseph Ratzinger, Hans Maier: Demokratie in der Kirche. Möglichkeiten, Grenzen, Gefahren., Limburg 1970 (= Werdende Welt. Analysen und Aspekte zur Orientierung des Christen. Bd. 16)

den Artikel von Joseph Ratzinger kurz zusammenfassen. Die Seitenzahl ist den jeweiligen zusammenfassenden Sätzen in runden Klammern vorangestellt, so dass die Leserin/der Leser sich im Original rasch orientieren kann. Ich versuche, in der Zusammenfassung die Aussageabsicht des Autors wiederzugeben, Anmerkungen sind extra gekennzeichnet.

Kapitel 1: Der Ausgangspunkt vom Begriff der Demokratie

1. Die totale Demokratie

(10) Ratzinger stellt fest: Kritik an Demokratie scheint unzulässig, wenn Demokratie als Inbegriff der Menschenrechte gesehen wird. Es geht in der aktuellen Diskussion um Werte und Heil und weniger um Demokratie als eine Form gesellschaftlicher Verfassung. (12) Jede Normierung des Menschen von außen (z.B. durch eine Institution) wird als Manipulation von außen verstanden. Die Konsequenz: vollständige Demokratie wäre dann Herrschaftslosigkeit. (13) Der Mensch wird in einer solchen Auffassung als absolut frei verstanden und daher mit Gott verwechselt. (14) Prinzipiell berechtigt ist dagegen die Kritik, der heutige Mensch halte sich fälschlicherweise für frei, seine Abstimmungen seien lediglich dem Systemzwang konform. (15) Die Frage ist nur: wer entscheidet, was wahre Freiheit und was verborgener Systemzwang ist?

2. Der Verfassungsstaat

(16) Es geht bei Demokratie als Gesellschaftsform nicht um den Menschen überhaupt, sondern um ein optimales Funktionieren der Gesellschaft, die optimale Balance von Bindung und Freiheit. In folgender Weise unterscheidet sich der Staat aber von der Kirche:

  • Träger der Souveränität ist beim Staat das Volk als solches und ganzes, die Regierung ist Treuhänder für das Volk. (17) Begrenzungen: das Volk ist Teil der ganzen Menschheit, gegenüber dieser und anderen Staaten gibt es ebenfalls Verpflichtungen. Was die Zwecke der ganzen Menschheit sind, lässt sich nur metaphysisch beantworten. (18) Theologische Deutung von staatlicher Verfassung: Nach Röm 8 ist das Bestehen von Herrschaftsordnungen an sich dem Menschen gemäß und unerlässlich.
    Der Staat ist sich sein eigener Zweck (bonum commune), das optimale Funktionieren der Gesellschaft ist zugleich die Erfüllung des Ziels.

  • Die Kirche ist Inanspruchnahme des Menschen durch den und für das, was er nicht aus sich selber hat. [T.S. Der Gedanke des „ab extra“ – von außen – ist für Ratzingers Denken charakteristisch]. Das Ziel der Kirche ist die Wahrheit des Evangeliums als einer von außen kommenden Größe, (19) diese muss die Kirche als Anspruch und Hoffnung präsent halten. Die Institutionen in der Kirche haben einen anderen Platz in ihrem System als die staatlichen Institutionen im Staat.

(20) Zum Amt: „Das kirchliche Interesse ist nicht die Kirche, sondern das Evangelium. Das Amt sollte möglichst lautlos funktionieren und nicht primär sich selbst betreiben“. Ratzinger beklagt, das die notwendige Reform zu viele Kräfte binde und den Blick nur auf den Selbstvollzug richte. (21) Ratzinger diagnostiziert einen Verfall der Theologie: der Kampf um Strukturen scheint ihr einziger Inhalt zu werden. (22) Maßstab des Amtes ist die Treue zum Eigenanspruch des Evangeliums.

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