Zusammenfassung von Meinrad Limbeck: alles Leid ist gottlos (3)

Der Tod ist keine Strafe

Limbecks Grundüberzeugung: Wo wir Glück erleben, erleben wir Gott. Die Schöpfungserzählung von Adam und Eva wird daher meistens missverstanden, denn in Gen 2,16 geht es nicht um ein Verbot bestimmter Dinge, sondern einzig und allein um das Leben und um das Glück des Menschen.

Man übersetzt die Anweisung Gottes in dieser Geschichte daher besser: von allen Bäumen wirst du essen, von diesem Baum wirst du nicht essen, sonst stirbst du.

Wenn es Gott aber um das Heil des Menschen gibt, warum dann der Baum der Erkenntnis?

  • Erkennen meint: aus sich heraus verstehen und sich sachgemäß verhalten. Kein anderer muss einem mehr sagen, was gut und richtig ist.
  • dieser Baum der Erkenntnis entstammt den Gedanken des Erzählers, es gab ihn niemals wirklich
  • es gibt keine außerbiblische Parallele zu diesem Baum, er wurde eigens in die Erzählung eingebracht, um den Leuten etwas ganz deutlich zu machen
  • der Mensch, der diese Geschichte geschrieben hat, muss einflussreich gewesen sein, und diese Geschichte muss bei seinen Zuhörern etwas Grundsätzliches zum Klingen gebracht haben, sonst wäre die Geschichte nicht weitergegeben worden

Es geht um die Frage: Warum hängen die Folgen unseres Tuns nicht in erster Linie von unserer (guten) Absicht ab? Nüchtern betrachtet können wir es uns ja nie leisten, von uns aus sagen zu wollen, was gut sein soll.

Israel drohte zu dieser Zeit in arm und reich zu zerfallen. Diejenigen, die sich um Gesamtisrael Sorgen machten, verteufelten den neuen Reichtum keineswegs, denn er bot viele Möglichkeiten und ein schönes Leben.

Muss man bei diesen Möglichkeiten nicht einfach zupacken und im Tun herausfinden, welche gut und welche böse sind? Aus der Erfahrung von der Befreiung aus Ägypten schloß der Erzähler aber auf den Weg Jahwes: Der Sinn von Reichtum und Macht ist es, ein Leben in Freiheit zu ermöglichen. Die Warnung dieser Geschichte von Adam und Eva ging also an die Neureichen in Israel: Macht es nicht wie Eva!
Reichtum ist Gestaltungsmacht. Wer sich nicht von anderswoher sagen lässt, wie er damit verfahren soll, ist leicht in Gefahr, sie zu missbrauchen.

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