Zusammenfassung von Meinrad Limbeck: alles Leid ist gottlos (14)

Unterwegs zum Leben

Limbeck beschreibt die Geschichte der Erdentstehung. Er fasst zusammen:  Nur durch Zufall und Naturgesetze hat sich im Laufe von 1 Mrd. Jahren ein Zustand ergeben, der Proteine und Nukleinsäuren sehr begünstigte, so dass Leben entstehen konnte.

Dann kommt er wieder, wie eingangs, auf den Tsunami vom Dezember 2004 zu sprechen. Er stellt fest: Der Tsunami vom Dezember 2004 hat weltweit sehr viel Hilfsbereitschaft gebracht, das eigentlich Aufregende aber blieb unbeachtet → die Tatsache, dass wir alle in den Prozess der Erde eingebunden sind, der von ihrer Entstehung bis heute läuft, in die Kontinentalverschiebungen, in die Naturvorgänge.

Limbecks Fazit: Die Qualität menschlichen Lebens hängt also fundamental von den uns vorgegebenen Umständen ab. Andererseits: wo es gelingt, Gegebenes miteinander zu vernetzen, so dass neue Lebensmöglichkeiten entstehen, da entsteht Glück.

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Zusammenfassung von Meinrad Limbeck: alles Leid ist gottlos (13)

„Jetzt hat mein Auge dich geschaut!“ (Ijob 42,5)

These: Das Leben bedarf nicht des Menschen

Wenn von Gott und dem Leid die Rede ist, kommt man unweigerlich auf das biblische Buch Ijob zu sprechen. Limbeck stellt fest: Unabhängig von der Frage, ob es Ijob historisch je gegeben hat, seine Situation ist zu jeder Zeit und überall ein Thema.

Wie Ijob (Ijob 38,19f..31-38;39,26f.;40,25-28) wird uns klar: „Wir können nicht im Ernst davon ausgehen, dass wir Menschen die eigentlich sinngebende und bestimmende Instanz für den Kosmos sein könnten“ (S. 63).

Limbeck relativiert also die Stellung des Menschen im Ganzen, im Kosmos.

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Participatio actuosa – ein Leitwort der Liturgiereform

Das 2.Vatikanische Konzil hat die tätige und bewusste Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie zum Leitsatz der Neugestaltung erhoben. Die Rufe und Antworten („Der Herr sei mit euch“ – „und mit deinem Geiste“), der Gemeindegesang, die gestiegene Bedeutung des Wortes Gottes, die Entfaltung der liturgischen Dienste, die von Laien als „wahrhaft liturgische“ Dienste ausgeübt werden, die Verwendung der Volkssprache usw. sind Konsequenzen dieses Leitsatzes.

Wie kommt ein ethisches Urteil zustande?

Ein gültiges ethisches Urteil beruht auf zwei Pfeilern:

  1. Der genauen Kenntnis des Sachverhalts
  2. Der richtigen Anwendung ethischer Prinzipien auf den Sachverhalt

Oder, salopp gesagt: Man muss (1) wissen, um was es geht, und (2) das Urteil begründen können.

Es gibt Beispiele in der (Kirchen-)Geschichte, wo sich bei gleichbleibenden Prinzipien das Urteil im konkreten Anwendungsfall völlig geändert hat, weil sich durch den naturwissenschaftlichen Fortschritt das Verständnis der Sachlage verändert hat.

Die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre

Für die Kursgruppe des Theologischen Kurses möchte ich ganz knapp die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre zusammenfassen:

  • Personalität – der Mensch ist Person, diese Würde kommt ihm von Anfang an zu, er muss sie sich nicht verdienen. Gleichzeitig ist der Mensch in Verantwortung genommen. Die Verantwortung wächst in gleichem Maße wie seine Möglichkeiten und Fähigkeiten (Kinder haben z.B. die gleiche Würde, aber noch nicht die gleichen Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Übernahme von Verantwortung).
  • Solidarität – wir gehören zusammen, „einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2) → die anderen haben ein Recht darauf, dass ich meinen Beitrag zum Gemeinwohl leiste.
  • Subsidiarität – die untere Ebene genießt bei der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben den Vorrang, obere Ebenen haben unterstützende Funktion, sie sollen die untere Ebene lediglich in die Lage versetzen, die Gemeinschaftsaufgabe zu erledigen.

Zusammenfassung von Meinrad Limbeck: alles Leid ist gottlos (12)

Gottes Zorn – ein Hirngespinst

Manche Menschen versuchen, sich Leid durch Gottes Zorn zu erklären, was dem Leid die Sinnlosigkeit nehmen soll, außerdem hält Gottes Zorn nicht ewig an, und das soll Hoffnung geben. In vielen Schichten der Bibel ist nicht vom Zorn Gottes die Rede. Die Vorstellung von Gottes Zorn ist wahrscheinlich von außen ins Volk Israel gedrungen, es gibt Belege aus Mesopotamien, Ägypten, Moab.

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Kein Werk der Liebe ist vor Gott ohne Bedeutung – Gedanken zu Mk 12,38-44

Jesus wird auf eine arme Frau aufmerksam. Er beobachtet sie und stellt sie dann seinen Jünger vor Augen. Sie ist für ihn ein Beispiel und Vorbild. Ihr Verhalten ist noch lobenswerter, wenn man ihrem Verhalten das der Schriftgelehrten gegenüberstellt, wie es Jesus tut.
So ist die Bibelstelle streng zweigeteilt: auf der negativen Seite das Beispiel der Schriftgelehrten. Dazu eine kleine Anmerkung: so pauschal, wie es hier steht, war das Verhältnis Jesu zu den Schriftgelehrten nicht. Er diskutierte häufig mit ihnen und mit einzelnen Schriftgelehrten verband ihn auch viel. Die Mehrheit der Schriftgelehrten konnte jedoch offenbar mit Jesu Art, abseits der Bahnen zu denken und die Bibel auszulegen, nichts anfangen und lehnte ihn vehement ab.
Jesus warf im Gegenzug der Mehrheit der Schriftgelehrten vor, dass es ihnen, die sich gegenüber dem einfachen Volk durch ihre Kenntnis der Bibel hervortaten, in Wahrheit gar nicht um den Kern des Glaubens, um Gott gehe.
So bilden sie hier in vielerlei Hinsicht die negative Folie: Männer, aus der Oberschicht, gebildet und angesehen, wohlhabend und wortgewaltig.
Ganz anders die Witwe: sie ist eine Frau, aus der Unterschicht, vom Rand der Gesellschaft, arm, unbedeutend und stumm. Aber ihr geht es wirklich um Gott, im Gegensatz zu den Schriftgelehrten, denen es nur um die eigene Tasche und das eigene Ansehen geht (eine ständige Mahnung auch an die Kirche!).
Der Witwe – und sie steht als Prototyp für alle Menschen, die nicht im hellen Sonnenlicht stehen – geht es wirklich nur um Gott. Die Reichen gaben viel, das wusste man, manche brüsteten sich wohl auch damit, und wurden dafür von den Leuten gelobt und bewundert. Die arme Frau gab zwei kleine Münzen, absolut gesehen ein vernachlässigbarer Betrag, aber alles, was sie hatte, und wurde dafür nicht von den Menschen, sondern von Jesus gelobt und bewundert. Die einen geben von ihrem Überfluss, sie gibt sich selbst, im rückhaltlosen Vertrauen auf Gott, der nach dem Zeugnis der Bibel den Armen beisteht.
Darauf kommt es Jesus an, das ist für ihn wahrer Glaube: nichts zurückhalten, alles von Gott her erwarten, sich selbst geben. So hat auch er gelebt und sich für uns hingegeben.
Und wer in dieser Haltung lebt, ist vor den Menschen vielleicht klein, vor Gott aber groß, egal wieviel er oder sie absolut gesehen an Gutem leisten konnte.
Papst Leo der Große hat zu dieser Bibelstelle geschrieben: »Auf der Wage der göttlichen Gerechtigkeit werden die Gaben nicht nach ihrer Menge, sondern nach dem Maße der dabei gezeigten Gesinnung gewogen. Die Witwe im Evangelium warf zwei Hellerstücke in den Opferkasten und übertraf damit die Spenden aller Reichen. Kein Werk der Liebe ist vor Gott ohne Bedeutung, kein Werk des Erbarmens ohne Frucht« (Predigt über das Fasten im Dezember, Sermo XX, 9,3).

Für diese Auslegung habe ich die Exegese von Franz Jung benutzt unter http://www.perikopen.de/Lesejahr_B/32_iJ_B_Mk12_38-44_Jung.pdf

Das Zitat von Papst Leo habe ich gefunden bei Papst Benedikt XVI. unter http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/angelus/2012/documents/hf_ben-xvi_ang_20121111_ge.html

Jesus, dein Licht zeigt uns den Weg – Gedanken zu einem Erstkommunionmotto

Mit den landauf, landab gebräuchlichen Erstkommunionmottos ist es so eine Sache: auf der einen Seite bieten sie einen griffigen, bildhaft-konkreten Zugang zu einem Aspekt des vielschichtigen Mysteriums, das wir in der Eucharistie feiern. Auf der anderen Seite besteht die Gefahr, auf der Suche nach dem roten Faden in allen Gruppenstunden und Gottesdiensten das (sprachliche) Bild zu überdehnen, alle möglichen Facetten hineinzulegen und womöglich die Grenzen der Metapher zu überschreiten. Manchmal beschleicht mich auch der Verdacht, das ganze Basteln und Gestalten führe weniger zum Geheimnis der Gegenwart Jesu im Brot hin als dass es dieses verdecke.

Nun gut, nachdem dies gesagt ist, möchte ich trotzdem einige Gedanken zum diesjährigen Erstkommunionmotto und dem dazugehörigen Symbol „Leuchtturm“ aufschreiben:

Das Motto der diesjährigen Erstkommunionvorbereitung lautet: „Dein Licht weist uns den Weg“. Als Symbol haben wir uns den Leuchtturm genommen. So wie ein Leuchtturm in dunklen Nächten oder bei Nebel den Schiffen den Weg weist, ihnen durch sein Licht Orientierung gibt, sie vor gefährlichen Stellen warnt oder die Einfahrt in den sicheren Hafen markiert, so will Jesus uns durch sein Wort und Beispiel den richtigen Weg zum Vater im Himmel zeigen, uns Hoffnung und Orientierung sein. Er will uns gerade dann – aber nicht nur dann – Hoffnung geben, wenn es in unserem Leben dunkel wird und wir nicht mehr ein noch aus wissen.

Das Licht des Leuchtturms leuchtet weit, bis zum Horizont, ins Unbekannte hinein. Mit Jesu Hilfe können wir uns hinauswagen in die unbekannte Zukunft – und sein Licht leuchtet noch weiter, über den Horizont hinaus.

Die Schifflein der Kinder sind alle unterschiedlich gestaltet, ganz individuell. So sind auch wir Menschen alle ganz unterschiedlich, mit unterschiedlichen Begabungen und Veranlagungen. Und doch dürfen wir uns alle auf den einen Leuchtturm hin orientieren und miteinander unterwegs sein.

Gott zu Gast bei dir – Gedanken zu Gen 18,1-10

Gott ist bei Abraham zu Gast. Drei rätselhafte Männer tauchen bei Abraham auf, er kennt sie nicht, aber er bietet ihnen, wie es Sitte im alten Orient war und ist, Gastfreundschaft an. Er bewirtet sie reich, bedient sie selbst mit dem, was seine Frau und seine Helfer zubereitet haben.
Fremde aufzunehmen, sie zu bewirten, ist für Abraham selbstverständlich, jeder war froh, wenn er in fremden Land Unterkunft und Verpflegung fand in einer Zeit, wo Reisen gefährlich und unsicher war und es keine Hotels gab.
Gastfreundschaft hat aber auch einen religiösen, einen geistlichen Sinn. Im Gast, im Fremden begegnet Abraham Gott, eröffnet sich ihm eine Zukunft, die schon verschlossen schien. Abraham und Sara konnten nämlich keine Kinder bekommen, in damaliger Zeit ein schlimmes Schicksal, zuweilen heute auch.

Abraham aber lädt die Fremden zu sich ein, und erhält eine Zusage: auf wunderbare Weise werdet ihr noch einen Sohn bekommen. Und Abraham glaubt seinen Gästen.

Gastfreundschaft kann Zukunft eröffnen.

Wenn wir ins Neue Testament schauen, dann ist auch dort viel die Rede davon: Jesus gewährt Gastfreundschaft, lädt andere zu sich ein, und lässt sich von anderen einladen. Und in diesen Begegnungen geschieht immer etwas Heilsames, Beziehung Stiftendes, eine Öffnung auf das Reich Gottes hin, auf die größere, bessere Welt Gottes hin.

Und so ist es kein Wunder, wenn die Mitglieder der christlichen Gemeinde aufgefordert werden (im Hebräerbrief 13,2): „Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie
haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.“

Wo Menschen also einander aufnehmen und annehmen, da können wir – oft unerkannt – Engeln oder Gott selbst begegnen.

Und unser Glaube geht beim Thema Gastfreundschaft dann noch einen entscheidenden Schritt weiter: wir glauben daran, dass wir, wenn unser Lebenslauf sich einmal vollendet hat, bei Gott zu Gast sein dürfen.