Demut, Selbstvertrauen, Gottvertrauen – Maria (zu Lk 1,26-38)

Aus einer Ansprache zu einer Goldenen Hochzeit, die ich gestern halten durfte, ein Auszug:

Es ist die erste Erwähnung Marias im Lukasevangelium. Sie wird noch mehrfach erwähnt, aber schon diese Stelle zeigt einige Besonderheiten, an denen wir erkennen können: sie eignet sich sehr gut dazu, ein Vorbild im Glauben zu sein – auch für uns heute.

Maria ist für mich eine Frau, die mitten im Leben gestanden ist. Ein Engel, ein Bote Gottes klopft bei ihr an – und schon ihre erste Reaktion zeigt, dass sie eine kluge und überlegte Frau war. Der Engel grüßt sie und dann heißt es nämlich: „sie überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe“.
Naiv war sie also nicht, sie hat schnell geschalten und gleich geahnt, dass etwas auf sie zukommt, mit dem sie nicht gerechnet hat, dass Gott mit ihr etwas vorhat.
Dann fährt der Engel mit der Botschaft fort, dass sie ein Kind bekommen soll. Auf das Große, vielleicht allzu Große der Botschaft von diesem Kind geht sie gar nicht ein, sondern sie fragt ganz praktisch und kritisch nach: Wie soll denn das vor sich gehen? Sie steht mitten im Leben, vielleicht rasen ihr die Gedanken schon durch den Kopf: Wie soll ich das bloß dem Josef erklären? Was werden die Verwandten, die Familie sagen? Wie kann ich mein Leben hinkriegen mit einem Kind? – Lauter Gedanken, die sich eine werdende Mutter in ihrer Situation macht. Sie steht also mit beiden Beiden auf dem Boden, überlegt, fragt nach. Ich verstehe das so: auch im Zweifel, in der Rückfrage, im Wissen-Wollen zeigt sich der Glaube, auch darin ist sie uns ein Vorbild.

Freilich kann man darauf allein kein Leben bauen. Jeder von uns lebt, weil das Vertrauen in das Leben, das Ja größer war als alle Bedenken und alles Nein – und so gibt Maria ihr Einverständnis: Ich bin die Magd des Herrn.

In dieser Aussage steckt zweierlei: Demut, aber auch ein gutes Selbstbewusstsein. Die Magd, die Dienerin, tut den Willen dessen, der sie beauftragt. Das ist Demut, das heißt Mut zum Dienen – zurückstecken können, aushalten können, mittragen können um eines Größeren willen. Gleichzeitig zeigt es vom Selbstbewusstsein Marias, denn die ersten Christen hörten, wenn sie „Dienerin des Herrn“ hörten, auch „Diener des Herrn“ mit. Der „Diener des Herrn“, der „Knecht des Herrn“ ist eine Gestalt des Alten Testaments, beim Propheten Jesaja wird vorhergesagt: Da wird einer kommen, durch den Recht und Gerechtigkeit für alle Völker, Heil und Segen in dieser Welt die Oberhand gewinnen wird, der Gott in die Welt bringt. Und Maria bestätigt: Ich bin die, die vorhergesagt wurde. Durch mich wird Gott in diese Welt kommen.
Überlegtheit und Klugheit, Rückfrage und Wissen-Wollen, aber auch Vertrauen in das Leben und Vertrauen in Gott, sich in Dienst nehmen lassen und aushalten können, aber auch wissen, wo man steht. So war Maria, und darin ist sie ein Vorbild für alle, die glauben, und für alle, die sich als Menschen miteinander und mit Gott auf den Weg machen. Mit beiden Beinen fest auf der Erde stehen, das Vertrauen nicht verlieren, aneinander und an Gott festhalten, durch solche Menschen kommt auch heute Gott, kommt auch heute Leben und Hoffnung und Heil in die Welt.

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