Kirchenrechtliche Gedanken zu den wiederverheiratet Geschiedenen, Teil 9

Das oikonomia-Prinzip der orthodoxen Kirche

  • Oikonomia: Grundprinzip allen kirchlichen Handelns und die Intention des Gesetzes („der Mensch ist nicht für den Sabbat da, sondern der Sabbat für den Menschen“), die Anwendung der Oikonomia schafft nie eine Präzedenz, ist immer Einzelfall!
  • Die Ehe gilt als Mysterion der Liebe (der Priester ist Spender). Es liegt ein personales, dynamisches und prozesshaftes Eheverständnis vor. Hass und Hoffnungslosigkeit können unwiderruflich den Platz der Liebe im Leben eines Paares einnehmen, was bis hin zum Tod der Liebe führen und die Ehe in ihrem Bestand zweifelsohne noch entschieden härter als der physische Tod treffen kann, der seinerseits nicht die Substanz der Ehe, die Liebe nämlich, zerstört. Die orthodoxe Kirche bestätigt also nur formell, was in sich durch die Sünde bereits gelöst wurde.
  • Vorbild: Umgang Jesu mit der Ehebrecherin und dem Gesetz (Joh 8,3-5)
  • Oikonomia heißt also: die Ehe ist in sich unauflöslich, aber aufgrund der menschlichen Schwachheit hat Gott der Kirche die stellvertretende Vollmacht gegeben, dem Menschen, der in seiner Ehe gescheitert ist, eine neue Chance zu geben. Trotz Unauflöslichkeit der Ehe kann Scheidung und Wiederheirat zugelassen werden => absoluter Vorrang der Theosis des Menschen

Zum ersten Teil.

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