Rechtfertigung im NT

Im NT kommen Begriff und Konzept von Rechtfertigung überwiegend bei Paulus vor, gering noch von ihm abhängiger Literatur.

Bei Paulus

Das Konzept Rechtfertigung hat einen zentralen Stellenwert, in der Forschung umstritten ist aber: Steht die Rechtfertigungslehre eher am Anfang oder eher am Ende seines theologischen Denkens? Denkt er wirklich von der Rechtfertigung her oder ist diese nur ein Unterpunkt der Christologie?

Klar ist dagegen: der Sitz im Leben der Rechtfertigungsaussagen ist die Klärung der Verbindlichkeit der Tora für Heidenchristen.

In den frühen Aussagen steht Rechtfertigung im Kontext der Taufe: die Taufe bewirkt einen ontologischen Statuswechsel von ungerecht zu gerecht. Der Gerechtgemachte ist dann fähig zur Begegnung mit dem Herrn (Siehe 1 Kor 6,11, 1Kor 1,30, Röm 3,25f., Röm 6,3f.).

Als Basissatz gilt Gal 2,16a: „Weil wir aber erkannt haben, dass der Mensch nicht durch Werke des Gesetzes gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir dazu gekommen, an Christus Jesus zu glauben, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch Werke des Gesetzes wird niemand gerecht.“

Es geht Paulus um die Heiden-Mission und damit um die Frage der Zulassungsbedingungen zur Taufe. Abgelehnt werden die Werke des Gesetzes, also vermutlich alles, was jüdische Existenz ganz besonders von der Umwelt unterschied. Der Glaube an Christus dagegen ist die universale Heilsmöglichkeit für Juden und Heiden.

Im Philipperbrief (Phil 3,4b-9) stellt Paulus seine jetzige Glaubenserkenntnis in scharfen Kontrast zu seiner eigenen Vergangenheit. Er hat seine Berufung als ein Finden der Christusgemeinschaft erlebt, er hat Christus gefunden und damit „die Gerechtigkeit, die Gott aufgrund des Glaubens schenkt“ (Phil 3,9)
Im Galaterbrief (Gal 3,10.13) grenzt sich Paulus scharf vom vom Gesetz ab, situativ bedingt durch die Auseinandersetzung mit Missionaren, die vermutlich von den Galatern die Beschneidung verlangten. Paulus wehrt sich: Christus hat uns vom Fluch des Gesetzes durch den Kreuzestod freigekauft.
Der Römerbrief enthält eine ausführliche Darlegung der Rechtfertigungslehre: Juden wie Heiden sind ungerecht und haben den Tod verdient, die Gerechtmachung erfolgt allein aus Gnade, durch Glauben an Jesus. Das Gesetz dagegen ist keine Hilfe aus der Verstrickung in die Sünde.

Insgesamt steht im Blickpunkt des Paulus nicht der einzelne Mensch, sondern die Heilsgemeinschaft der einen Kirche aus Juden und Heiden. Ihr gilt die Rechtfertigung, die Gott durch Jesus Christus im Glauben schenkt. Jede Form der Selbstrechtfertigung ist ausgeschlossen. Wer durch die Taufe in die Christusgemeinschaft eingetreten ist, der ist grundsätzlich von Sünde befreit, hat einen grundsätzlichen Wechsel vollzogen, der lebt von nun an im Geist der Liebe und befolgt daher entsprechend einen ethischen Lebenswandel.

Epheser und Pastoralbriefe

In diesen Briefen wird die Rechtfertigungslehre auf den Gegensatz zwischen den eigenen Werke (nicht mehr Werke des Gesetzes) und der Gnade Gottes reduziert.

Jakobusbrief

Die Rechtfertigung ist eigentlich sekundär, es geht vielmehr um die Anerkennung, dass sich ein Christ gemäß dem neuen Leben in Gott verhält. Es könnte sich durchaus um eine anti-paulinische Polemik handeln, wenn in Jak 2,14-26 der Glaube ohne Werke als verfehlt angeprangert wird. Freilich wird das Verhältnis nicht umgedreht, der Mensch wird nach wie vor durch den Glauben gerecht, dessen integraler Bestandteil die Werke sind (als Vollendung des Glaubens, Jak 2,22).

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.