Rechtfertigung von Augustinus bis Thomas

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Augustinus

Wichtig ist Augustinus: Die Gnade Gottes kommt zuvor (selbst vor der Sehnsucht nach ihr) und wirkt. Die bleibende Widerwilligkeit gegen Gott wird zeitlebens nicht überwunden, aber auch nicht angerechnet. Was die Mitwirkung des Menschen angeht, so legt Augustinus Wert darauf, dass die Gnade Gottes mit uns zum Heil beiträgt, nicht umgekehrt, d.h. die Mitwirkung des Menschen steht an zweiter Stelle.

Im 12.Jahrhundert

Die Linie, die von Augustinus ausgeht, wird im Mittelalter weiter durchdacht. Klar bleibt: Die Gnade erfasst den Menschen vor jedem Eigen-Tun des Menschen, Gnade ist also zunächst Aktivität Gottes. Die Gnade wohnt sich dann im Menschen ein, formt die Seele und macht den Menschen fähig, Gutes zu tun.

Bei Thomas von Aquin

Auch Thomas von Aquin denkt in diese Richtung. Er nimmt Anleihen bei Aristoteles und beobachtet: es gibt natürliche habitus, Prägungen, die es leicht(er) machen, in eine bestimmte Richtung tätig zu sein. Ein Beispiel ist das Glücksstreben – niemand wird bewusst sein eigenes Unglück angehen, sondern er geht unbewusst immer aufs Glück zu.

So ähnlich stellt sich Thomas das Gnadenwirken vor: Gott schenkt die Gnade als einen habitus, als eine qualitas (vielleicht mit Beschaffenheit zu übersetzen?) der Seele, so dass der befreite Christ freudig und erleichtert auf dem guten Weg gehen kann. Der Mensch leistet keinen Beitrag dazu.

Die Rechtfertigung ist nach Thomas auf der einen Seite Wiederherstellung des Urzustands: a) Der Mensch lebt in der richtigen Beziehung zu Gott, b) er ist Gott ganz gehorsam, c) er überlässt sich der Führung des Gottesgeistes; auf der anderen Seite geht das Gnadenwirken über die Wiederherstellung des Urzustands hinaus, denn dem sündigen Menschen werden seine Sünden vergeben. Das Geschenk der Gnade befreit freilich nicht davon, dass auch der befreite Mensch in diesem Leben gegen die Nachwirkungen der Sünde ankämpfen muss.

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