Womit habe ich das verdient? Teil 21

Zum ersten Teil.

Scheitern im Beruf und von Beziehungen

Viele, die arbeitslos werden, leiden daran, sie entwickeln Versagensgefühle, manche Existenzangst. Äußerungen, die suggerieren, man habe die Arbeitslosigkeit selbst verschuldet, verletzen sehr.

 

Die hilfreiche Art und Weise des Umgangs damit besteht nach P.Anselm darin, dass Selbstwertgefühl zu stärken: a) Das Selbstwertgefühl auf einen neuen Grund stellen – nicht auf den Erfolg, sondern auf Gott. Sich bewusst machen, dass einem niemand die eigene Einstellung dazu nehmen kann. b) Das Leben bewusst und aktiv gestalten, den Tagesablauf strukturieren, dem Leben Sinn geben. c) Die Arbeitslosigkeit als Chance sehen, sich neu zu orientieren, andere Möglichkeiten und Fähigkeiten entdecken und entwickeln.

Auch Beziehungen scheitern, auch gibt es das Gefühl des Versagens, manchmal auch der Befreiung. Aber selbst dann kann es tiefe Verletzungen geben, wenn Kinder da sind, gibt es oft ein Ringen um sie. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und die Mühen, die Kinder allein zu erziehen, verschärfen die Lage.

P. Anselm zählt fünf Schritte auf, um mit der Verzweiflung, die eine gescheiterte Beziehung mit sich bringen kann, umzugehen:

1) Den Schmerz zulassen, ohne darin herumzuwühlen

2) Die Wut leben, sich darin von der Verletzung und dem, der mich verletzt hat, distanzieren, sich daraus Kraft holen, ein eigenes Leben aufzubauen.

3) Das Geschehene objektiv betrachten, wirklich verstehen, was passiert ist.

4) Dem, der mich verletzt hat, vergeben. Das ist in erster Linie ein Akt, der mir selber gut tut, weil dann der andere keine Macht mehr über mich hat, weil dann das Bittere nicht mehr auf meinem Leben lastet.

5) Die Wunden verwandeln – was will durch diese schmerzvolle Erfahrung Neues wachsen?

Selbst gemachtes Leiden

Es gibt Leid, da kommen Seelsorger – auch P. Anselm – an ihre Grenzen, weil die Menschen, die ratsuchend kommen, nicht bereit sind, sich zu ändern. Diese Menschen leiden lieber vor sich hin und jammern gern, aber an sich arbeiten, sich mit sich selbst konfrontieren, das wollen sie nicht. Es ist natürlich nicht leicht zu beurteilen, ob ein Leiden selbstgemacht ist, da muss man vorsichtig sein. Es hilft auch nichts, diesen Menschen das direkt zuzusagen. Aber P. Anselm sagt, er habe gelernt, da seine eigene Grenze und die Grenze seiner Möglichkeiten zu respektieren.

Naturkatastrophen

Es ist richtig, alles Mögliche zu tun, um Naturkatastrophen zu verhindern bzw. ihre schlimmen Folgen einzudämmen und den Menschen zu helfen, die davon betroffen sind. Aber man muss sich auch eingestehen, dass nicht alles machbar, beherrschbar, kontrollierbar ist. Niemand hat ein Anrecht auf ein langes, glückliches Leben ohne Leid.

Wenn eine Naturkatastrophe eintrifft, tauchen Fragen auf nach der Schuld Gottes daran. Diese Fragen darf man stellen, aber niemand kann darauf letztendlich antworten.

Naturkatastrophen stellen auch drei Fragen an uns:

1) „Die erste ist, inwieweit wir die Natur so domestiziert haben, dass sie dagegen durch Katastrophen rebelliert.“ (S.151)

2) Die Frage nach unserem Verhältnis zur Natur

3) Die Frage nach unserem Gottesbild – sie fordert uns heraus, Abschied von allzu harmlosen Gottesbildern zu nehmen. Wir müssen uns in Gott hinein ergeben. Er braucht sich vor niemandem zu rechtfertigen.

Schlusswort

Die Bibel sagt: Gott ist ungerecht. Menschen machen jedoch Erfahrungen, die Gott ungerecht erscheinen lassen. Den damit verbundenen Gefühlen dürfen wir nicht ausweichen, dürfen Klage und Wut und Unverständnis vor ihn bringen. Dann kann sich das Gottesbild wandeln, unser Standpunkt sich ändern. Das ist eine Herausforderung und eine Chance zum Wachstum.

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