Ist die Jugend die Zukunft der Kirche?

Immer wieder – auch aus dem Mund von Päpsten – kann man emphatisch hören: „Die Jugend ist die Zukunft der Kirche“.

Wenn ich das im folgenden modifizieren möchte, dann ausdrücklich nicht, weil ich kirchliche Jugendarbeit unnötig fände, im Gegenteil – sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil kirchlicher Arbeit.

Aus theologischen Überlegungen heraus finde ich diese Aussage in mehrerlei Hinsicht jedoch missverständlich und verkürzend:

  1. Die Jugend ist nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirche (wie das Benedikt XVI. auch formuliert hat [siehe http://w2.vatican.va/content/francesco/de/homilies/2014/documents/papa-francesco_20140817_corea-omelia-gioventu-asiatica.pdf]). Jugendliche in ihrer Unterschiedlichkeit, ihren Anfragen (auch an die Kirche), ihren Lebensentwürfen und ihrer jeweils sehr verschiedenen Art, den Glauben zu leben oder auch abzulehnen, muss Raum und Stimme gegeben werden. Wenn Kirche die Jugendlichen ernstnimmt, muss sie auch bereit und fähig zu Veränderungen  und Vielfalt sein, sonst besteht die Gefahr, dass der obengenannte Slogan nur Lippenbekenntnis bleibt.
  2. Die Jugendlichen von heute sind die Kinder von gestern,die Erwachsenen von morgen und die Senioren von übermorgen. Der Slogan, wenn er im Kampf um kirchliche Ressourcen eingesetzt wird, taugt also nicht viel als Argument: Kirchliche Jugendarbeit muss eingebettet sein in eine Landschaft vielfältiger Angebote für alle Suchenden, egal welchen Alters. Wenn die Jugendlichen einmal aus den Jugendangeboten herausgewachsen sind, werden sie dann nicht zu Recht fragen: Wo ist meine religiöse Heimat als junger Erwachsener, als Mensch im mittleren Alter, wer kümmert sich um mich, wenn ich alt geworden bin?
  3. Auch aus theologischen Gründen halte ich diesen Satz für verkürzend: die Kirche hat immer eine Zukunft, wenn sie sich aus Gott heraus den Menschen in Liebe zuwendet. Das gilt grundsätzlich unabhängig vom Alter. Überspitzt formuliert: selbst wenn die Kirche sich nur Sterbenden in ihren letzten Atemzügen zuwenden würde, und das in Liebe und um Gottes Willen, hätte sie eine Zukunft. Das zeigt das Beispiel von Mutter Theresa, die eben das getan hat und auch für junge Menschen ein Vorbild ist.

Meine Kritik zielt also – noch einmal – ausdrücklich nicht gegen die kirchliche Jugendarbeit, sondern soll vielmehr ein Plädoyer für eine menschenzugewandte Kirche sein, und das schließt die Jugendlichen ausdrücklich mit ein. Aber ein bisschen vorsichtiger und durchdachter könnte man mit manchen Slogans schon sein …

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