Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes

Ich habe den ersten, in diesem Jahr erschienenen Band der Reihe „Gemeinsam vor Gott treten. Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten.“, herausgegeben von Birgit Jeggle-Merz, Walter Kirchschläger und Jörg Müller, geschenkt bekommen.

Ich finde das Buch ein sehr interessantes Unterfangen und möchte in loser Folge den Beitrag zu dem einen oder anderen Element der hl. Messe in hoffentlich verständlicher Weise wiedergeben.

Die Worte der Formel „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ finden sich im Schlusskapitel des Matthäusevangeliums und damit an wichtiger und prominenter Stelle. Jesus spricht als der Weltenherrscher und gibt den Jüngerinnen und Jüngern den Auftrag, alle „auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen, und er versichert sie seiner bleibenden Gegenwart.

Alle Menschen sind angesprochen, Jüngerinnen und Jünger Jesu zu werden, die es schon sind, haben den Auftrag, alle zu taufen und Jesu Lehre weiterzugeben.

Die darin bezeugte Taufpraxis ist wohl schon sehr bald nach Jesu Tod entstanden. Einzigartig in der Bibel ist aber die dreigliedrige Formel in Bezug auf die Taufe. Die lateinische Bibelübersetzung Vulgata hat die Formel, wie sie im Gottesdienst verwendet wird, von „auf den Namen“ (hier wird die Zielrichtung betont) in „im Namen“ (hier wird der theologische Ort betont) verändert (auch das gibt es allerdings in der Bibel).

Die in dieser Form in der Bibel einzigartige dreigliedrige Formel gibt Zeugnis von der schon in dieser frühen Zeit einsetzenden Reflexion über das Verhältnis von Gott Vater, Jesus Christus als dem Sohn und dem Heiligen Geist als Gottes Wirkkraft.

In der Eucharistiefeier schließt die Eröffnungsformel „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ das Sich-Versammeln der Gemeinde und der besonderen liturgischen Dienste ab. Sich versammeln gehört seit Beginn an zum christlichen Glauben und Glaubensleben dazu, Kirche ist versammelte Gemeinde. Die zum Gottesdienst versammelte Gemeinde feiert vorwegnehmend die Sammlung der Kirche bei der Vollendung der Welt. Alle lassen sich hineinnehmen in den Raum Gottes. Die Worte der angesprochenen Formel „stellen die Versammelten unter ein Handeln im Namen, also im Auftrag Gottes“ (S. 18). Gleichzeitig erinnert die Formel an die Taufe, die Möglichkeit und Voraussetzung für das Feiern ist. Als Getaufte kommen die Christinnen und Christen in die Versammlung der Gemeinde, vom Gnadenhandeln Gottes in der Taufe her ist Kirche legitimiert, durch die Taufe wird der Mensch in Jesus Christus (im Gott selbst) hineingenommen. So bindet diese Formel die Eucharistiefeier mit der Taufe zusammen: in der hl. Messe wird das in der Taufe geschenkte Heil immer wieder neu erfahrbar. Zugleich ruft diese Formel die Gläubigen auf, sich als vor Gott versammelte Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern zu betrachten (und sich auch so zu verhalten). Durch die Dreigliedrigkeit ist die Formel und das bestätigende „Amen“ der Gemeinde auch Bekenntnis des Glaubens an den dreieinigen Gott, der die Feiernden hineinnimmt in die „Lebensüberfülle“ (S. 20) des Vaters, den „Lebensdialog“ (S.21) mit dem Sohn Jesus Christus und in den „Lebensatem“ (S.21) des hl. Geistes. Wahrscheinlich wurde die trinitarische Formel schon sehr früh mit einer Geste der Selbstbekreuzigung verbunden als Zuspruch und Bekenntnis, sowohl im öffentlichen Raum als auch beim privaten Beten, das eben dadurch als kirchliches Handeln gekennzeichnet ist.

 

Zum Nachlesen: B. Jeggle-Merz/W.Kirchschläger/C.Schubert/N.Stockhoff: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes., in: B.Jeggle-Merz/W.Kirchschläger/J.Müller (Hgg.): Gemeinsam vor Gott treten. Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten., Stuttgart 2014, 11-22

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