Amen

Ich habe den ersten, in diesem Jahr erschienenen Band der Reihe „Gemeinsam vor Gott treten. Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten.“, herausgegeben von Birgit Jeggle-Merz, Walter Kirchschläger und Jörg Müller, geschenkt bekommen.

Ich finde das Buch ein sehr interessantes Unterfangen und möchte in loser Folge den Beitrag zu dem einen oder anderen Element der hl. Messe in hoffentlich verständlicher Weise wiedergeben.

Das Wort „Amen“ ist charakteristisch für christliches Beten, und ein in allen Sprachen unübersetzt bleibendes hebräisches Wort. Es wurde seit dem Anfang des Christentums ununterbrochen gebraucht und stellt so einen Zusammenhang zum Ursprung des christlichen Glaubens im Judentum her.

Das Wort „Amen“ leitet sich von „zuverlässig sein, treu, beständig, wahrhaftig, sicher sein“, daher auch „vertrauen, trauen, glauben“ (S. 23) ab. Man sollte es also mit „wahrlich, gewiss, fürwahr“ (ebd.) übersetzen. Im AT kommt das Wort in unterschiedlichen Kontexten vor (juristisch, liturgisch, kultisch, …).

In den Evangelien erscheint das vorangestellte „Amen“ bei den Jesusworten („Amen, ich sage euch“). Diese Verwendung ist eigen und offenbar von Jesus so geschaffen worden.

In den neutestamentlichen Briefen und der Offenbarung des Johannes antwortet die Gemeinde mit dem „Amen“ auf den Lobpreis, einen Segenswunsch u.ä. Sie bekräftigt damit ihre Zustimmung und stellt Gemeinschaft zwischen dem Sprecher und der Gemeinde her. In Offb 3,14 wird Jesus selbst als das „Amen Gottes“ bezeichnet.

Folgende Dimensionen liegen also im biblischen Gebrauch des Wortes „Amen“:

  • Zustimmung zur Rede eines anderen – Unterordnung unter den angesprochenen Sachverhalt und den, der diesen Sachverhalt vorträgt
  • Bezug auf einen Sachverhalt, der sich seinerseits auf eine außersprachliche Wirklichkeit bezieht
  • Wer das „Amen“ spricht, geht eine Verpflichtung ein
  • Das biblische „Amen“ steht immer mit Gott in Bezug, eine rein säkulare Verwendung findet man nicht

In der Liturgie ist das „Amen“ der häufigste Ruf der Gemeinde und der häufigste Abschluss von Gebeten, in besonders feierlicher Form zum Abschluss des eucharistischen Hochgebets. Hier ist es besonders wichtig, macht es doch den Mitfeiernden die Gemeinschaft, die in Christus gegeben ist, und das notwendige Zusammenwirken aller Glieder des Volkes Gottes bewusst. Der Vorsteher betet das Hochgebet im Namen und im Dienst der versammelten Gemeinde, und diese macht sich mit dem „Amen“ das, was da vollzogen wurde, zu eigen. Die angemessene Körperhaltung dafür ist das Stehen. Durch das „Amen“ beim Empfang der Kommunion verpflichtet sich der Empfangende, das Geglaubte im eigenen Leben umzusetzen. Gleiches gilt das für das „Amen“ am Ende des Vaterunser. Ursprünglich wurde das Vaterunser auch nur vom Vorsteher gebetet und das Volk antwortete mit „Amen“, im spanischen Raum antwortet die Gemeinde auf jeden Vers des Herrengebets mit „Amen“. Ebenso begegnet die Akklamation zum Abschluss der Vorstehergebete, des Glaubensbekenntnisses, des Gloria, des Rufes zum Kreuzzeichen bei der Eröffnung der Messfeier und des Segens. Im jüdischen Synagogengottesdienst antwortet die Gemeinde mit dem „Amen“ ebenfalls auf das von einem einzelnen vorgetragene Gebet. Es ist im Judentum (vielleicht in Abgrenzung zur christlichen Praxis) jedoch unüblich, das eigene, persönliche Gebet mit einem „Amen“ abzuschließen.

Der Ruf „Amen“ bedeutet in sehr konzentrierter sprachlicher Form Hingabe an Gott, drückt das Verstehen des Gehörten und das grundsätzliche Einverständnis dazu aus. Mit dem „Amen“ stellen sich die Betenden in die Beziehung mit Gott hinein.

Zum Nachlesen: B. Jeggle-Merz/W.Kirchschläger/C.Schubert/N.Stockhoff: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes., in: B.Jeggle-Merz/W.Kirchschläger/J.Müller (Hgg.): Gemeinsam vor Gott treten. Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten., Stuttgart 2014, 23-40

4 Gedanken zu „Amen

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  3. Lieber Herr Kollege,
    das ist ja sehr nett, dass Du auf unseren Kommentarband auf diese Weise hinweist. Bitte gerne noch mehr Beiträge 🙂

    Ich darf auch darauf hinweisen, dass im Sommer der 2. Band des Kommentars erschienen ist, der die Texte der Wortliturgie und der Gabenbereitung behandelt.
    Im Oktober ist der erste Band der biblisch-liturgischen Erschließung („Mit der Bibel die Messe verstehen“) erschienen, der die Ausführungen des Kommentars auf zwei kleine Bändchen für ein breites Publikum aufarbeitet.

    Freundliche Grüße
    Jörg Müller (PRef EB Freiburg, Kurs 010, momentan tätig an der Universität Luzern)

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