Die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre III

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Der 4.Abschnitt der Gemeinsamen Erklärung entfaltet die Lehre von der Rechtfertigung, so dass die je unterschiedliche Ausprägung bzw. unterschiedliche Akzentsetzungen auf katholischer und lutherischer Seite auf den gemeinsamen Grundkonsens bezogen sind.

  1. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass das Heil ein Geschenk ist. Der Mensch kann sich aus eigener Kraft das Heil nicht verdienen.
    1. Katholiken betonen, dass der Mensch durch seine Zustimmung zum Glauben „mitwirken“ kann, aber auch das ist schon Geschenk und Gnade.
    2. Lutheraner betonen, dass der Mensch sich als Sünder aktiv Gottes Heilshandeln widersetzt, aber sie leugnen nicht, dass der Mensch voll personal im Glauben beteiligt ist.
  2. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass Gott aus Gnade die Sünde vergibt, von der Macht der Sünde befreit, und dem Menschen in Christus ein neues Leben schenkt. Gott rechnet dem Menschen die Sünde nicht an und wirkt durch den hl. Geist die tätige Liebe in ihm.
    1. Lutheraner betonen, dass nur die Verbindung mit Christus rettet und die Rechtfertigung nicht vom Menschen abhängt.
    2. Katholiken betonen, dass die rettende Gnade Gottes eine Umwandlung des Lebens bewirkt, die sich im hl. Geist in tätiger Liebe zeigt.
  3. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass der Sünder durch den Glauben, indem er auf Gott vertraut, gerechtfertigt wird. Dieser Glaube kann nicht ohne Werke der Nächstenliebe bleiben. Aber die Werke sind nicht Grund der Rechtfertigung und verdienen sie auch nicht.
    1. Lutheraner betonen, dass Gott selbst den Glauben wirkt, er schafft den Glauben, und daraus entspringen Hoffnung und Liebe. Rechtfertigung und das neue Leben sind zwar unterschieden, aber nicht getrennt.
    2. Katholiken betonen die Bedeutung der Taufe als Sündenvergebung, in der Gott den Menschen umgestaltet und mit sich in Gemeinschaft treten lässt. Die Erneuerung des Lebens in Glaube, Hoffnung und Liebe bleibt immer von Gott abhängig und ist daher nie Besitz des Menschen, freilich bleibt Gott sich und seinem gnädigen Handeln treu, so dass wir uns darauf verlassen dürfen.
  4. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass der Mensch in der Taufe wirklich gerechtfertigt und erneuert wird, aber dennoch weiter in Sünde fallen kann, also immer auf die bleibende Gnade Gottes angewiesen ist, immer um Vergebung bitten muss, sie aber auch immer wieder gewährt wird.
    1. Lutheraner betonen, dass der Mensch „Sünder und Gerechter“ zugleich ist. Die Sünde des Menschen ist wirklich gottwidrig, zugleich aber trennt sie – weil Gott es so will – den Menschen nicht mehr von ihm.
    2. Katholiken betonen, dass in der Taufe wirklich alle Sünde getilgt ist, jedoch eine Neigung zum Bösen bleibt. Wenn dazu keine personale und bewusste Entscheidung dazukommt, ist diese Neigung noch keine Sünde im eigentlichen Sinn: der Getaufte bleibt mit Christus verbunden. Trennt er sich aber willentlich und bewusst von Christus, muss er im Sakrament der Versöhnung Verzeihung empfangen.
  5. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass der Mensch im Glauben unabhängig von Werken des Gesetzes gerechtfertigt wird. Zugleich bleiben aber die Gebote Gottes in Kraft und ist Jesu Christi Leben, das dem Willen Gottes entspricht, der Maßstab für das Leben jedes Gerechtfertigten.
    1. Lutheraner betonen, dass das Gesetz Anklage ist, dem keiner genügen kann, so dass der Mensch seinen Blick allein auf Christus richtet.
    2. Katholiken betonen, dass das Gesetz durch Christus erfüllt ist, so dass er kein Gesetzgeber wie Mose ist. Sie bestehen auf einem Leben nach dem Willen Gottes, leugnen aber nicht, dass den Gerechtfertigten das ewige Leben erbarmungsvoll verheißen ist.
  6. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass die Glaubenden sich auf Gott ganz und gar verlassen können.
    1. Die Reformatoren betonten, dass der Mensch sich im Blick auf Christus der Verheißung gewiss sein könne, im Blick auf sich selbst jedoch nie ganz sicher.
    2. Katholiken betonen, dass, wer glaubt, nicht an Gottes Barmherzigkeit und Verlässlichkeit zweifeln kann, aber trotzdem das eigene Versagen und die eigenen Schwächen nicht leugnen soll.
  7. Gemeinsam ist beiden die Überzeugung, dass die guten Werke, d.h. ein Leben in Glaube, Hoffnung und Liebe, aus der Rechtfertigung folgen und ihre Früchte sind. Weil der Mensch zeitlebens gegen die Sünde kämpft, ist ihm ein solches Leben auch aufgetragen.
    1. Katholiken betonen, dass ein Leben mit guten Werken die von Gott empfangene Gerechtigkeit und die Beziehung zu Gott vertieft. Sie betonen die Verantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln.
    2. Lutheraner betonen, dass die Gnade immer Geschenk ist und bleibt, leugnen aber nicht, dass es ein Wachstum geben kann. Die guten Werke sind keine „Verdienste“, allenfalls unverdienter „Lohn“, weil Gott gemäß dem NT dies den Gläubigen zugesagt hat.

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