Unitatis Redintegratio (UR), Kap. 3 – die orientalischen Kirchen

► Zum ersten Teil.

Das dritte Kapitel ist überschrieben mit „Die vom Römischen Apostolischen Stuhl getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“. Es enthält die Abschnitte 13-24 der laufenden Zählung und unterscheidet die orientalischen Kirchen von den aus der Reformation hervorgegangenen abendländischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Zunächst wird im Kapitel 13 diese Unterscheidung eingeführt. Zuerst kam es zu Spaltungen mit den monophysitischen Kirchen im 4.Jahrhundert und den orthodoxen Kirchen im 11.Jahrhundert, dann die Reformation im 16.Jahrhundert. Die Sonderstellung der anglikanischen Kirche wird erwähnt. Die Trennung, so wird gesagt, erfolgte aufgrund sehr verschiedener Umstände, und auch die Art und Weise der heutigen Unterschiede ist jeweils anders gelagert.

Dann wendet sich das Dokument in Kapitel 14 den orientalischen Kirchen zu. Es wird behauptet, dass es in der gemeinsamen Geschichte eine gewisse Vorrangstellung Roms gegenüber den Bischöfen des Orients gegeben habe, die sich jedoch auch apostolischen Ursprungs rühmen dürfen. Es wird gewürdigt, dass die orientalischen Kirchen einen großen Schatz der Liturgie, Spiritualität und rechtlichen Ordnung geschaffen haben, aus denen auch die römische Kirche schöpft, ebenso die ökumenischen Konzilien der alten Kirche, die im Osten stattgefunden haben, und auch das Einstehen für den Glauben in der Zeit. Als Gründe der Trennung werden die Verschiedenheit in Mentalität und Lebensverhältnissen als auch ein Mangel an Verständnis und Liebe genannt.

Die Würdigung der Liturgie wird im Kapitel 15 fortgesetzt. Es wird den orientalischen Kirchen zugestanden, in mehrfacher Hinsicht mit der römischen Kirche verbunden zu sein: in den wahren Sakramenten, in der apostolischen Sukzession des Amtes, in der Eucharistie, so dass eine gewisse Gottesdienstgemeinschaft möglich und sogar ratsam ist. Anschließend wird noch einmal die Spiritualität, v.a. die monastische, gewürdigt.

Das Kapitel 16 widmet sich der Verfasstheit der Kirchen. Es wird zugestanden, dass die orientalischen Kirchen sich seit alters her selbst regieren und dies auch dürfen, da eine gewisse Vielfalt der Einheit nicht entgegensteht, sie im Gegenteil sogar schöner macht.

In Kapitel 17 wird das Prinzip der legitimen Vielfalt auf die Glaubenslehre und -verkündigung ausgedehnt. Die unterschiedlich scheinenden theologischen Traditionen könnten eher als komplementäre Akzente denn als echte Differenzen gelten.

Emphatisch wird betont, dass die Traditionen der orientalischen Kirchen zur vollen Katholizität und Apostolizität der katholischen Kirche dazugehört.

Das Kapitel 18 enthält die Aussage, zur Wiederherstellung oder Erhaltung der Einheit dürften keine Lasten auferlegt werden, die über das Notwendige hinausgehen, und empfiehlt allen das Gebet und den Dialog zur Einheit, gerade auch mit denen, die als Gläubige der orientalischen Kirchen fern ihrer Heimat leben.

[Anmerkung T.S.: Das, was vermutlich das Haupthindernis der Einheit darstellt, nämlich der Petrusprimat, wird nur am Anfang als historisches Ereignis erwähnt, aber nicht als Hindernis für die Einheit.]

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