Am größten unter ihnen ist die Liebe (zu 1 Kor 13)

Aus der Ansprache bei einer Trauerfeier, die ich gehalten habe:

Vielleicht waren manche von Ihnen irritiert, diese Worte hier und heute zu hören. Diese Lesung erwartet man doch bestimmt bei einer Hochzeit, aber bei einer Trauerfeier?

Ich habe mich dazu entschieden, genau diese Worte aus der Bibel zu nehmen, weil sie für mich etwas ganz Wesentliches über den Kern des Glaubens aussagt: im Zentrum des Glaubens steht die Liebe, die alles hofft. Und ist nicht auch ein Trauergottesdienst genau das: eine Feier der Liebe, die alles hofft?

Eine Feier der Liebe, die tief verletzt ist durch den Tod eines geliebten Menschen, die abgrundtief daran leidet, dass der, dem diese Liebe galt, plötzlich nicht mehr da ist?

Eine Feier der Liebe, die sich aber im Innersten weigert, einfach hinzunehmen, dass da jetzt nichts mehr sein soll? Die trotz allem, was der Kopf uns sagt, daran festhalten mag, dass Beziehung, Freundschaft, Partnerschaft, mit dem Tod nicht einfach aus und vorbei ist?

Eine Feier der Liebe, die alles hofft. Hoffen und glauben ist nicht wissen. Wir haben keine Garantie, keinen unwiderlegbaren Beweis dafür, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Der Apostel Paulus sagt: Wir erkennen nur unvollkommen, rätselhafte Umrisse. Wir erahnen und spüren mehr, als dass wir sehen.

In diesem Spüren und Ahnen, im Hoffen – manchmal gegen jeden Augenschein – liegt – so meine ich – eine Wahrheit drin. Für Christinnen und Christen verweist die menschliche Liebe, die alles hofft, die sich weigert, den Tod einfach hinzunehmen, die in Sehnsucht leidet, auf einen, dessen Liebe größer und weiter ist, als alles, was wir uns vorstellen können.

Ja, es ist manchmal eine trotzige Liebe, ein zähes Festhalten gegen den Augenschein daran, dass das Leben stärker ist als der Tod, dass die Liebe das Vergessen übersteigt.

Wir vertrauen darauf (und vertrauen ist ein anderes Wort für glauben), dass unsere Liebe, die wir uns gegenseitig schenken, nicht sinnlos, vergebens oder umsonst ist. Jede Geste der Liebe, jedes zärtliche Wort, jede helfende Tat kommen aus der Liebe Gottes und sind von ihr umfangen. Nichts, was in Liebe getan wurde, wird vergehen, sondern ist aufgehoben und geborgen in SEINER Liebe.

Das sind freilich große Worte, und auch sie sind unvollkommen und bleiben weit hinter dem zurück, was sie aussagen sollen. Aber ich wünsche Ihnen, dass Sie tief in sich immer wieder spüren können – die Liebe bleibt. Amen.

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