Begrüßung der Gemeinde – Varianten

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Das deutschsprachige Messbuch bietet sieben alternative Begrüßungsformeln an. Die Antwort der Gemeinde („Und mit deinem Geiste“) und das „sei mit euch“ bleiben dabei gleich. Von diesen sieben werden in der Praxis jedoch die meisten kaum verwendet, das lateinische Missale Romanum enthält drei Begrüßungsformeln, von denen nur eine im Ordo steht, die anderen in einem Anhang. Es handelt sich also um deutschsprachiges Sondergut.

Beim auswendigen Sprechen der Begrüßung soll sich der Priester der Gemeinde zuwenden und die Hände ausbreiten, um Offenheit zu signalisieren, eine Art „kollektive Umarmungsgeste“. Die Gemeinde versammelt sich und der Priester tritt der Gemeinde gegenüber – so macht sich die Gemeinde der Gegenwart des Herrn bewusst.

Die Begrüßungsformeln sind inhaltlich stark vom Begriff der Gnade geprägt. Schaut man auf den biblischen Ort von Gnade, so darf man das im AT nicht allzu sehr an bestimmten Begriffen festmachen, vielmehr wird das mit „Gnade“ gemeinte in vielfältiger Weise erzählt und beschrieben. Im Buch dennoch genannt sind die Begriffe chanan und chesed. Damit wird die ungeschuldete, erbarmende, liebevolle Zuwendung Gottes zu einzelnem und seinem Volk bezeichnet, die auch konkret erfahrbar wird. Chesed bezieht sich nicht nur auf die Taten, sondern auf die Haltung, aus der die Taten entspringen.

Einen starken Anklang nehmen die Grußformeln aus der Briefliteratur des Paulus. In allen seinen Briefen (außer 1 Thess) benutzt der Apostel die Zusammenstellung von „Gnade“ (charis) und „Frieden“ (eirene) als eröffnenden Gruß, was wohl eine genuin christliche Sprachschöpfung darstellt. Beides gründet in Gott: der gnädige Gott ist selbst der Friede. Er schenkt den Gläubigen und der Gemeinde Anteil daran. In der Taufe sind sie hineingenommen in den Heilsraum Gottes, der durch diese beiden Begriffe umschrieben wird.

In der Liturgie wird die gnadenhafte Zuwendung Gottes zum Menschen in besonderer Weise verdichtet gegenwärtig und gefeiert. Aus der Gnade Gottes heraus glauben und leben wir, werden wir zur Gemeinde versammelt und lassen uns in der Liturgie stärken und beschenken.

Zum Nachlesen: J. Hagemann/T. Hilberink/N. Stockhoff: Begrüßung der Gemeinde – Varianten, in: B.Jeggle-Merz/W.Kirchschläger/J.Müller (Hgg.): Gemeinsam vor Gott treten. Die Liturgie mit biblischen Augen betrachten., Stuttgart 2014, 57-70

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