Unfehlbarkeit?

Zu 5 kontroversen Themen der katholischen Ekklesiologie habe ich Studierende nach ihren Vermutungen gefragt: Wie – denken Sie – werden diese Behauptungen wohl argumentativ gestützt bzw. bestritten?

Dabei kam folgendes Ergebnis heraus:

Der Papst spricht mit letztgültiger Sicherheit! – Thema Unfehlbarkeit

Vermutet wurde (Pro)

  • Er ist das Medium, durch das Gott sprechen soll

  • Christen brauchen ein Oberhaupt, auf das sie sich beziehen können

Vermutet wurde (Contra)

  • Ist auch nur ein Mensch

  • Wenn er schlechte Ansichten hat, stehen diese für alle Christen

Mein Kommentar:

Weil auch der Papst nur ein Mensch ist, und er als Repräsentant der katholischen Kirche (und in der Wahrnehmung manchmal der ganzen Christenheit) sehr unter Beobachtung steht, ist die Aufstellung eines unfehlbaren Glaubenssatzes an eine Reihe von Bedingungen geknüpft. Nicht jede päpstliche Äußerung ist also unfehlbar. Dennoch hat sich das I.Vaticanum nach kontroverser Diskussion dazu entschieden, in großem Vertrauen und um die Sicherheit und Gewissheit des Glaubens besorgt, den Papst als den obersten Hüter der Glaubenswahrheiten gleichsam zum „archimedischen Punkt“ zu machen. Es besteht ein großer Konsens darüber, dass außer der Dogmatisierung der „leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ 1950 im gesamten 20.Jahrhundert niemals Gebrauch von der Unfehlbarkeit gemacht wurde. Es stellt sich also durchaus die Frage nach der Relevanz.

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