Was ist „Kuschelpastoral“?

Gestern war ich auf einer Konferenz, auf der von manchen die „Kuschel-Pastoral“ gescholten wurde. Gemeint ist wohl eine Pastoral, die ein angenehmes, harmonisches Gottesbild verkündet, die den Gläubigen wenig zumutet und die anstrengenden, missverständlichen und herausfordernden Seiten des Glaubens ausblendet.

Soweit, so einigermaßen klar. Allerdings hat für mich auch die Kritik daran etwas klischeehaftes, da wird meiner Meinung nach ein Zerrbild bekämpft.

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Gott ist die Liebe – zu 1 Joh 4,7-12

Verehrte Anwesende, Schwestern und Brüder im Herrn,

Die Lesung aus dem ersten Johannesbrief, die wir gerade eben gehört haben, enthält eine Spitzenaussage des Neuen Testaments: Gott ist die Liebe. Gott ist so überfließende Liebe, dass er die Welt erschaffen hat. Aus Liebe erhält er sie. Und aus Liebe wendet er sich immer wieder den Menschen zu, auch wenn wir ihn manchmal enttäuschen, weil wir lieb-los sind.

Doch Gott kann gar nicht anders, als an uns festzuhalten, er gibt uns niemals auf. Das hat er dadurch gezeigt, dass er seinen Sohn Jesus Christus gesandt hat. Jesus hat die Liebe des Vaters verkündet, ist aber nicht bei den Worten stehengeblieben. Er hat die Menschen die Liebe Gottes erfahren lassen, indem er sie heilte, indem er Ausgestoßene wieder in die Gemeinschaft geholt hat, indem er Sündern die Versöhnung gebracht hat.

Unsere Liebe, was wir aus Liebe tun, ist ein Widerschein der göttlichen Liebe, der manchmal zaghafte Versuch einer Antwort – und doch kommt Gott darin vor. Im ersten Johannesbrief haben wir gehört: Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns. Anders ausgedrückt: Da wo Menschen einander lieben, kommt ein Stück Himmel auf die Erde.

Dabei gilt freilich zu bedenken: wenn hier von Liebe die Rede ist, ist damit nicht nur ein Gefühl gemeint, ein flüchtiges vielleicht, so wie verliebt sein. Nein, wahre und wirkliche Liebe ist ausdauernd, zeigt sich im Kleinen, oft mühsamen Alltag, z.B. in der liebevollen, hingebungsvollen Pflege einer alten Person. Liebe, das sind Worte und Taten, die zeigen: du bist mir nicht egal, du liegst mir am Herzen. Wie sich Liebe zeigen kann, zeigt die folgende Geschichte:

Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein.

Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus.

Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleichgroße Stöße: für jeden einen Stoß Garben.

Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der Ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht. Er stand auf und nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.

In der gleichen Nacht nun, eine geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er mußte an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen? Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zu dem Stoß des Älteren.

Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und jeder war erstaunt, dass die Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte darüber zum anderen ein Wort.

In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich, und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen.

Auf halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher und brüderlicher Liebe. Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: Heilig ist mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen!

(Wortlaut der Geschichte aus http://www.predigt-eichendorf.de/Texte/DBArchiv05/54913_sontrin.htm)
Soweit die Geschichte: ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir Gott unter uns wohnen lassen können, und dass wir darauf vertrauen können, dass unsere Verstorbenen schon jetzt in der Liebe Gottes geborgen und aufgehoben sind. Amen.

Pro und Contra Gottesglauben

Im Religionsunterricht der 9.Klasse habe ich mit den Schülerinnen und Schülern gesammelt, welche Gründe für den Glauben an einen Gott sprechen, und welche Gründe es geben mag, den Glauben an Gott nicht als sinnvoll anzusehen.

Dabei sind die Schülerinnen und Schüler von sich aus auf viele interessante Argumente gestoßen, die in der Vergangenheit in dieser oder einer ähnlichen Form diskutiert wurden und werden.

Nun die Argumente im einzelnen:

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Gottesbilder

Im Religionsunterricht der 9.Klasse habe ich die Schüler/innen gefragt, was ihnen spontan einfällt, wenn sie das Wort „Gott“ hören.

Die Antworten lassen sich in folgende Kategorien gliedern:

  • Eigenschaften Gottes: mächtig, vertrauenswürdig
  • Handeln Gottes: gibt Kraft, hört zu, ist für einen da, beschützt, kann das Leben von Menschen verändern, verzeiht, bewahrt die Welt
  • Vorstellungen und Titel: Herr des Lebens, Vater, Engel als Mitarbeiter, höheres Wesen, Erschaffer der Welt, lebt im Himmel
  • Mit Gott in Beziehung treten: Beten
  • Weitere Assoziationen: in vielen Religionen, Leben nach dem Tod, Jesus ist Gottes Sohn, Hölle, Atheismus, Gotteslästerung, Glaube,Kirche

Interessant ist, dass die Schüler/innen durchweg in der christlichen Gottesvorstellung zu Hause sind, auch wenn sie sich selbst zum Teil nicht als gläubig ansehen. Viele haben ein positives Gottesbild, in dem man Beziehung zu Gott aufnehmen kann und er sich dem Menschen wohlwollend und barmherzig zuwendet.