Was ist biblische Spiritualität?

Ich habe in Vorbereitung auf einen Workshop einen sehr interessanten Artikel von Michael Theobald gefunden, den man hier herunterladen kann.

Für die Teilnehmer/innen des Workshops habe ich die wichtigsten Grundgedanken zusammengefasst unter dem Titel: „Was ist biblische Spiritualität?“

Beobachtungen

  • Das Wort Spiritualität hat eine Renaissance erlebt.
  • Dahinter steckt die Sehnsucht nach persönlicher Glaubenserfahrung.
  • Kritische Anfragen: Ist das, für was Christentum steht, nicht von Dogma, Moral und Institution überdeckt? Gelingt es der Verkündigung, die Bibel als Quelle geistlichen Lebens zu erschließen?

Definition

Eine Definition von christlicher Spiritualität enthält folgende Eckpunkte:

  • Sie hat mit dem Heiligen Geist zu tun.
  • Sie prägt die ganze Existenz.
  • Sie ist konkret – es kommt auf das Wie an.
  • Christliche Spiritualität steht in der Spannung: die Bewahrung der Botschaft Jesu – der Anschluss an die moderne Mentalität.

Biblische Spiritualität

Christliche Spiritualität als biblische Spiritualität hat folgende Kennzeichen (im Anschluss an Joh):

  • Sie ist nicht zuerst Selbstversenkung, sondern „Spiritualität des Wortes“, das uns von außen zugesagt und tatsächlich ergangen ist. Gottes Wort ist die Zusage der Liebe – die zugesprochene Liebe weckt im Angesprochenen die Liebe und bewirkt damit, was sie aussagt.
  • Sie ist der Überzeugung, dass jeder Mensch für dieses Wort grundsätzlich ansprechbar ist und Sehnsucht danach hat.
  • Sie steht in der Spannung zwischen Glaubenserfahrung und Glaubenswissen. Beide dürfen sich nicht absolut setzen. Beide müssen offen füreinander sein. Erfahrung wird im Licht des Wissens gedeutet, Wissenskonstruktion bekommt durch Erfahrung Bodenhaftung und wird im Leben der Menschen konkret.
  • Sie geht weiter, wenn Menschen das, was andere ihnen überliefern, mit eigener Erfahrung verknüpfen und sich damit zu eigen machen. Der Verweis auf Jesus spielt in Joh eine wichtige Rolle. Es ist für Menschen geschrieben, die IHN nicht selbst erlebt haben. Die Figuren der Jünger in Joh werden auf Jesus verwiesen, vertrauen anderen Menschen, und bleiben dann dabei, weil sie selbst wichtige Erfahrungen mit IHM machen. Es braucht also einen Vertrauensvorschuss, eine zuvorkommende Offenheit, sonst gelangen Menschen nicht zum Glauben. Ort der Begegnung mit Jesus ist für die Joh-Gemeinde das Evangelium, das je neu gesagte Wort Gottes.
  • Sie führt zu einer tieferen Selbsterkenntnis. Im Licht der Liebe Gottes gehen mir die Augen auf über mich selbst und die Welt. Sie hat einen kritischen Maßstab und stellt die richtigen und wichtigen Fragen ans Heute.
  • Sie lebt aus der meditierenden Wiederholung des Wortes Gottes, das im inneren Schweigen aufgenommen wird.

 

[1] https://gul.echter.de/component/docman/doc_download/3816-75-2002-3-166-182-theobald-0.html

 

 

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