Die Feier der Eucharistie, Teil 6

In Vorbereitung auf einen Kurs habe ich das folgende Buch gelesen: Alexander Saberschinsky: Einführung in die Feier der Eucharistie. Historisch – systematisch – praktisch, Freiburg i.Br. 2009.

Die Kernthesen und Einsichten, die ich daraus gezogen habe, möchte ich nach und nach hier vorstellen. Zum 1.Teil.

In einem großen Bogen wendet sich Saberschinsky nach der Deutung und Erklärung der jetzigen Feiergestalt der hl. Messe der Geschichte der Eucharistiefeier zu.

Dabei stellt Saberschinsky fest, die Gestalt der Eucharistiefeier sei immer in Wandlung begriffen gewesen. Es gelte nach SC 21, zwischen unveränderlichen Anteilen und solchen, die veränderbar sind und sogar verändert werden müssen zu unterscheiden.

Es gibt verschiedene Prinzipien, nach denen eine Rekonstruktionen der Eucharistiegeschichte erfolgen kann. Eine zusätzliche Schwierigkeit: Wenn man nur die liturgischen Texte als Quelle nimmt, bleiben viele Dinge unberücksichtigt: Wurde die Eucharistie wirklich so gefeiert, wie es vorgeschrieben war? Musik, Frömmigkeitspraxis usw. bleiben außen vor. Außerdem muss beachtet werden, dass keine Zeit in sich einheitlich war.

Die Ursprünge in der Apostelzeit

Jesus nimmt auf der einen Seite am jüdischen Gottesdienst teil, doch seine Reich-Gottes-Verkündigung bleibt nicht ohne Folgen für die Liturgie. Diese Spannung zieht sich auch in die Apostelzeit weiter. Mit der zunehmenden Ablehnung der jungen christlichen Bewegung unter den Juden und dem Erfolg der christlichen Mission unter den Heiden trennten sich die Wege allerdings mehr und mehr.

In der frühen Zeit versammelten sich die Christen und das war ihnen sehr wichtig, nach der Zerstörung des Tempels nur noch in Privathäusern. Die Feiern dort waren an Erscheinungen des Auferstandenen angelehnt: „Zusammenkommen, Wiedererkennen des Auferstandenen, Verkündigung seines Wortes, Empfang seines Geistes, Brotbrechung und Mahl, Aussendung der Jünger“ (S. 60). Es gab noch keine festgelegte Ordnung oder spezifische liturgische Funktionen, vielmehr herrschten Vielfalt und Beteiligung vieler, das charismatische Prinzip (1 Thess 5,19-21 und 1 Kor 14,26). Auch die Zuordnung zwischen eucharistischem Mahl und Agape war unklar.

Die Feiern der ersten Christen führen sich auf das Letzte Abendmahl Jesu zurück. Ob dieses Letzte Abendmahl ein Paschamahl war, ist fraglich. Die Informationen in der Bibel sind lückenhaft bzw. liturgisch überformt.

Drei Hauptteile eines jüdischen Ritualmahls werden in der Beschreibung des Letzten Abendmahles deutlich: Tischsegen (Kiddusch) über Brot und Wein mit Lobpreis, Essen, Tischgebet mit Segensbecher; die Begleitgebete sind sehr ähnlich zum Gebet des Priesters während der Gabenbereitung. Strukturell ebenfalls ähnlich ist das Gebet zum Abschluss: es ist ein Lobgebet mit Dank für die Gaben, ein Dankgebet für die Erwählung durch Gott, ein Bittgebet um Vollendung.

Jesu Deuteworte fügen sich in die Struktur der jüdischen Feier ein: das Brotwort nach dem Brechen des Brotes, das Weinwort nach dem Tischgebet zum Segensbecher.
Die Akzente, die Jesus setzt, gehen aber über den jüdischen Ritus hinaus.

Wenn das Letzte Abendmahl ein Paschamahl war, dann verbindet sich damit das Motiv der Befreiung. Gott handelt heilshaft an seinem Volk, schenkt ihm auch jetzt Hoffnung, verbindet mit sich; dann deutet Jesus seinen Tod als Exodus, als Durchgang zum Leben.

Die Christen feiern: Jesus wird zerbrochen wie das Brot, im Verzehr erhalten die Gläubigen Anteil an Jesus und seiner Selbsthingabe. Sein Tod eröffnet die Gemeinschaft, die Anteil an ihm hat, den Leib Christi, die Kirche.

Das Weinwort: Jesus gibt sich hin für die Vielen, d.h. alle. Die Teilhabe an Jesus begründet den neuen Bund.
Die Gestaltung als Mahl lässt sich deuten als Vorwegnahme des himmlischen Gastmahls, auch die Anwesenheit der 12 Jünger geht in diese Richtung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.