Die Feier der Eucharistie, Teil 10

In Vorbereitung auf einen Kurs habe ich das folgende Buch gelesen: Alexander Saberschinsky: Einführung in die Feier der Eucharistie. Historisch – systematisch – praktisch, Freiburg i.Br. 2009.

Die Kernthesen und Einsichten, die ich daraus gezogen habe, möchte ich nach und nach hier vorstellen. Zum 1.Teil.

Zu den Irritationen rund um die Zulassung der Heiligen Messe in der außerordentlichen Form des römischen Ritus stellt Saberschinsky Argumente zusammen und wertet sie.

Die Instruktion Liturgiam authenticam von 2001 will die Balance zwischen Einheit und teilkirchlichen Gottesdiensttraditionen herstellen. Daher wird eine größere Nähe zu den lateinischen Mustertexten gefordert.

Daran kritisiert Saberschinsky: Nicht die formale Übereinstimmung garantiert die Einheit. „Hier besteht das legitime Bedürfnis der Feiernden, in den Formen der Liturgie ganzheitlich, persönlich und ehrlich vor Gott zu stehen, freilich ohne dass die reine Subjektivität das letzte Wort haben darf.“ (S.116)

Das Motu Proprio vom 7.Juli 2007 Summorum Pontificum beinhaltet eine pastorale Argumentation: die Zulassung der außerordentlichen Form ist ein Ausdruck der Barmherzigkeit gegenüber denen, die die neuen Formen nicht so bereitwillig annehmen können

Es wird eine Unterscheidung des einen Ritus in zwei usus eingeführt: die ordentliche Ausdrucksform nach dem Missale Pauls VI. (nachkonziliar), und die außerordentliche Form nach dem Missale Pius V. in der Fassung von 1962.

Es werden Bedingungen für die Feier der außerordentlichen Form in Pfarreien aufgestellt:

  • Auf Bitten der Gläubigen (nicht des Geistlichen!)
  • Die Gläubigen müssen eine feste Gruppe bilden
  • die dauerhaft existiert
  • die ordentliche Hirtensorge ist nicht gefährdet
  • der Geistliche muss das Rituale von 1962 beherrschen und durchdrungen haben
  • Lesungen dürfen in der Volkssprache sein, aber nur aus offiziellen Büchern
  • Die Gläubigen dürfen sich an den Bischof wenden
  • Der Pfarrer darf die alten Rituale für Taufe, Trauung, Buße, Krankensalbung verwenden, Bischöfe dürfen die Firmung nach dem alten Rituale spenden; Kleriker dürfen das alte Brevier benutzen
  • Es können Personalpfarreien für Anhänger des alten Ritus geschaffen werden

Benedikt XVI. wollte damit das II.Vaticanum nicht hintergehen, die neue Form bleibe die ordentliche. Er hofft auf eine wechselseitige Befruchtung, der alte usus könne die Sakralität ausstrahlen. Der Papst will die Kirche innerlich versöhnen. Er sieht keinen Bruch zwischen alt und neu.

Die deutschen Bischöfe reagierten darauf wie folgt: Die außerordentliche Form darf die ordentliche am Sonntag nicht ersetzen. Kein Priester darf gezwungen werden, die außerordentliche Form zu feiern. Es werden keine Personalpfarreien errichtet. Der Bischof muss wissen, wo und wann die außerordentliche Form gefeiert wird.

Saberschinsky wertet die Argumente, die in der Diskussion benutzt wurden:

Es geht nicht um die lateinische Sprache, denn auch die ordentliche Form kann jederzeit und überall auf Latein gefeiert werden.

Er sieht durchaus bedeutsame theologische Unterschiede zwischen den beiden usus:

In der ordentlichen Form ist

  • der Wortgottesdienst aufgewertet
  • die Homilie integraler Bestandteil
  • die Eucharistiefeier so bezeichnet statt Opfermesse: Ziel ist die Gemeinschaft mit Christus
  • der Beitrag der Gläubigen ernstgenommen.

Schon Johannes Paul II. ist den Anhängern von Marcel Lefebvre (Pius-Bruderschaft) entgegengekommen.

Die DBK hat eine Umfrage gemacht: die Nachfrage der Gläubigen ist auf sehr niedrigem Niveau stabil.

Liturgietheologische Fragen stellen sich: Was heißt Bewahrung? Ist das Bewahrung, „einen früheren Traditionsstand parallel zum aktuellen zu bewahren und zu praktizieren“? (S.127) Warum gilt dies nicht für andere, noch ältere Liturgien?

Die beiden Formen enthalten nach Meinung Saberschinskys tiefgreifende theologische Akzentverschiebungen, er stellt daher die Frage: Sind sie wirklich nur zwei Ausdrucksformen desselben? … Wo doch ein anderes Kirchenverständnis, ein anderes Verständnis der Rolle der Gläubigen zum Ausdruck kommen, wo das Wort Gottes anders gewichtet wird, der Begriff „Opfer“ anders verständen wird. Auch das Verhältnis zum Judentum ist nachkonziliar anders.

Praktische Irritationen kommen dazu: Das Messbuch 1962 hat einen anderen Kalender – führt das dazu, dass in ein und derselben Gemeinde zwei verschiedene Feste gefeiert werden? Es gibt keine von Rom approbierten Lektionare in der Volkssprache, die auf die Leseordnung von 1962 passen – das fordert aber das Motu Proprio. Auch ist es unklar, welches Rituale der Sakramentenfeier zugrundeliegt.

Die Gläubigen, die für sich eine Messe in der außerordentlichen Form wünschen, geben in der Regel keine theologische Begründung, sondern schätzen die größere Feierlichkeit. Stimmt das so? „Ist es wirklich das Mysterium, das erfahren wird, oder wird ‚Mysterium‘ mit ‚mysteriös‘ verwechselt“? (S.133) fragt Saberschinsky.

 

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