Die Feier der Eucharistie, Teil 13

In Vorbereitung auf einen Kurs habe ich das folgende Buch gelesen: Alexander Saberschinsky: Einführung in die Feier der Eucharistie. Historisch – systematisch – praktisch, Freiburg i.Br. 2009.

Die Kernthesen und Einsichten, die ich daraus gezogen habe, möchte ich nach und nach hier vorstellen. Zum 1.Teil.

Im folgenden Abschnitt geht es um die Eucharistie als Opfer und die richtige Deutung dieses missverständlichen Begriffs.

Das Opferverständnis der Religionsgeschichte stellt sich so dar: ein Opfer wird ausgesondert und von einem Repräsentanten der Göttlichkeit dargebracht, um diese gnädig zu stimmen, Unheil abzuwenden, zu entsühnen.
Alttestamentliche Bilder nehmen dieses Verständnis auf und verändern es schon: die Erzählung von der versuchten Opferung Isaaks durch Abraham endet in der Ablösung des Menschenopfers durch ein Tieropfer. In der Exodustradition, im Pascha-Mahl, taucht das Motiv der Stellvertretung auf, noch deutlicher im Versöhnungsopfer „Sündenbock“ am Festtag Jom Kippur. Dieser Stellvertretergedanke wird personal weiterentwickelt im Gottesknechtslied Jes 53: der Prophet ist die Opfergabe. Bei den Propheten wird das Opfer weiter spiritualisiert und das rein rituelle Opfer kritisiert: es kommt auf die innere Haltung an.
Das NT zeigt, wie die ersten Christen um die Deutung des Todes Jesu gerungen haben: die Synoptiker knüpfen an den Topos vom Prophetenschicksal an, Joh 15,13 lässt Jesus für seine Freunde sein Leben hingeben, der leidende Gottesknecht aus Jes ist eine Vorlage. Der Hebräerbrief spricht dann von der Opfergabe ein für allemal. Der Tod Jesu ist ein sühnendes, stellvertretendes Sterben.
Es kommt also zu einer Umkehrung des alten Opferbegriffs: Nicht der Mensch bringt Gott etwas von sich dar, sondern Gott verschenkt sich; dafür dankt die Christenheit in der Eucharistie.
Das NT bezeichnet die Eucharistie nicht als Opfer, aber das Brotbrechen wird auf die Existenzhingabe Jesu Christi für die Menschen gedeutet.
Das Opfer wird nicht wiederholt, nicht durch Christus und nicht durch die Menschen. Die einmalige Hingabe Jesu gilt für alle Zeiten, in der Eucharistie wird dies gegenwärtig und zwar aufgrund des Wirkens Gottes.
Das Opfer der Gläubigen, von dem in Hochgebeten die Rede ist, besteht aus der Darbringung von Lob und Dank; in der Bereitschaft, sein Leben, sich selbst ganz Gott zu übereignen.
Es geht also nicht darum, dass die Menschen Gott etwas geben müssten, was er vorher nicht hätte, sondern dass die Gläubigen ganz Empfangende werden; dass sie sich mit Gott versöhnen lassen, der ganz der Handelnde ist.
Es geht um die Gemeinschaft mit Gott, die nur er schenken kann, der Mensch wird durch Christus darin hineingenommen.
Kern ist also nicht die Zerstörung der Opfergaben oder das Fließenlassen von Blut, wie in religionsgeschichtlichen Opfern, sondern angemessenes Zeichen für die Gemeinschaft mit Gott ist das Mahl. Eine Trennung nach Mahl und Opfer ist sinnverkehrt, die ganze Eucharistie ist beides.

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