Die Feier der Eucharistie, Teil 14

In Vorbereitung auf einen Kurs habe ich das folgende Buch gelesen: Alexander Saberschinsky: Einführung in die Feier der Eucharistie. Historisch – systematisch – praktisch, Freiburg i.Br. 2009.

Die Kernthesen und Einsichten, die ich daraus gezogen habe, möchte ich nach und nach hier vorstellen. Zum 1.Teil.

Im 14. und letzten Teil dieser Serie geht es um den konstruktiven Umgang mit der Krise der Eucharistiefeier in den gegenwärtigen Veränderungen der Kirche in Deutschland.

Kirche ist Kirche in der Welt und damit auch ihren Veränderungen unterworfen, von denen der Mangel an Priestern eine ist, aber genauso auch der Rückgang der Zahl der Gläubigen und der drastische Schwund der Gottesdienstbesucher.
Die Kirche als Instanz verliert an Bindungskraft, Religion gilt als Privatsache. Das wirkt sich auch auf die Eucharistiefeier aus, die dezidiert Gemeinschaftsfeier der Kirche ist. Ursache des Fehlens der Gläubigen in den Eucharistiefeiern ist daher „auch, dass schlichtweg die Gemeinde als Kirche vor Ort fehlt, die die Eucharistiefeier als Feier der Kirche trägt“ (S.176).
In den Umstrukturierungsmaßnahmen wird Liturgie oft als logistisches Problem gesehen, nicht als Quelle und Höhepunkt kirchlichen Lebens erlebt. Die Liturgie ist aber nicht schmückendes Beiwerk, sondern gehört zum Wesen der Kirche, in ihr lebt die Glaubensbeziehung zu Christus, wird der Glauben lebendig, sie ist „der ursprüngliche Ort des Glaubens“ (S. 179). Sie feiert den vorhandenen Glauben und nährt ihn. Ohne die Feier des Heilsereignisses in Christus können Christen nicht leben.
Die tätige Teilnahme der Gläubigen ist kein pädagogischer Trick, sondern tiefstes Wesenselement. In der Liturgie antworten die Gläubigen auf das zuvorkommende Heilshandeln Gottes, daher war die aktive, volle und bewusste Teilnahme zu Recht leitendes Prinzip der Erneuerung der Liturgie durch das Konzil.

Wesen der Kirche ist Gemeinschaft mit Christus und dadurch Gemeinschaft untereinander (communio). Dies wird in der Eucharistie bewirkt und gefeiert. Die sog. „Sonntagspflicht“ ist daher keine moralische Regel, sondern „theologisch unverzichtbare Besinnung auf Christus“ (S. 184f). Eucharistie ist nicht Angebot der „persönlichen spirituellen Bereicherung“ (S. 185), sondern Versammlung der Gläubigen als Gemeinschaft und Kirche vor Ort. Idealfall: eine sonntägliche Eucharistiefeier als Zentrum der Gemeinde, und umgekehrt: dass der „einen Eucharistiefeier ein Gemeindeleben entsprechen muss, in dem die Zusammengehörigkeit der Gemeinde als Kirche vor Ort erfahrbar ist“ (S. 185).
Beide Positionen, die im Ringen um die Feier der Eucharistie in den größer werdenden Einheiten vertreten werden, haben ihre theologische Berechtigung: (a) Kirche lebt aus der Eucharistie, also müssen alle Gläubigen sich an einem zentralen Ort versammeln; (b) die Gläubigen wollen das in der Regel nicht, sie wollen die Feier des Glaubens nicht von ihrem Alltag, ihrem Lebensort, ihrem sonstigen alltäglichen und kirchlichen Leben trennen.

Saberschinsky formuliert praktische Eckpunkte:

  • Die neuen Seelsorgeeinheiten dürfen nicht nur Verwaltungsebene sein, sondern auch Erfahrungsort der neuen Zusammengehörigkeit in Gottesdiensten, liturgische Zentren können Vorbild sein und Impulse geben.
  • Kleinere Gemeinschaften mit ihren Gottesdiensten haben im Sinn der Subsidiarität weiterhin Berechtigung, dürfen sich aber nicht verselbständigen. Die „sonntägliche Eucharistiefeier muss als der zentrale Gottesdienst der Pfarrei erfahrbar bleiben“ (S. 188). Deshalb kann weniger (Angebot) auch mehr sein. Die Erfahrungen mit zentralen Gottesdiensten sind auf dem Land und in den Städten unterschiedlich.
  • Die liturgische Vielfalt soll wiedergewonnen werden. Die Messen wurden vermehrt und haben andere Gottesdienstformen oft verdrängt. Ziel ist die tägliche Gottesdienstfeier, in Form des Stundengebets durchaus auch ohne priesterlichen Vorsteher möglich.
  • Eigenständige Wort-Gottes-Feiern sollen gefördert werden, aber nicht als Ersatz für die Eucharistie, d.h. an Sonntagen nur im äußersten Notfall. In ihnen soll auch keine Kommunionausteilung stattfinden, weil das den inneren Zusammenhang zwischen Kommunion und Eucharistiefeier verunklart. Die Alternative: Die Kommunion aus einer zentralen Feier direkt in die Feiern am anderen Ort bringen lassen.

Saberschinsky gibt noch weitere Empfehlungen und Anregungen, die Sie aber am besten selbst dort nachlesen.

 

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