Eschatologie, Teil 4

Teil 4: Geschichtliche Entwicklung – Von der Antike zum Mittelalter

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Alte Kirche

Die Naherwartung trat in den Hintergrund, es wurde stattdessen davor gewarnt, dass Gott jederzeit kommen könne. Die Zeit, die noch bis zum Kommen Christi bleibt, wurde als Chance zur Umkehr angesehen. Wenn die christlichen Denker sich mit ihrer Umwelt auseinander setzen, dann betonen sie manchmal, dass nur das Gebet der Christen das Römische Reich vor dem Untergang bewahre. Die Hoffnung wird individueller, die Auferstehung der Toten gewinnt an Bedeutung gegenüber der Vollendung der Welt.

Chiliasmus

Darunter versteht man die Vorstellung, dass vor dem letzten Gericht und vor der letzten Auseinandersetzung mit dem Bösen noch eine Zeit von 1000 Jahren kommen werde, in der Christus und die Gerechten herrschen.
Diese Vorstellung beruht auf der Offenbarung des Johannes (Offb 20). Wie das genau kommen werde, darüber gab es im Laufe der Geschichte verschiedene Vorstellungen (z.B. Kerinth, Irenäus von Lyon, Laktanz, der junge Augustinus, Joachim von Fiore, Täuferbewegung), durchaus auch kirchenkritische.

Beispiele für eschatologische Theologien

Eusebius von Cäsarea

Er hat Christenverfolgung und Bürgerkrieg mit erlebt, mit Kaiser Konstantin beginnt für ihn eine Zeit des Friedens und der Freiheit, die alten Verheißungen werden Wirklichkeit, Kaiser Konstantin ist von Gott gesandt, ein Messias. In seiner Zeit erreicht die Geschichte ihren Höhepunkt und Ihre Vollendung. Gott hat die Menschen erzogen, bis sie in der Zeit Konstantins soweit waren. Die Philosophen haben die Erscheinung Christi vorbereitet, hatten also eine positive Bedeutung. Auch der römische Staat hat eine positive Bedeutung („Reichs-Eschatologie“).

Augustinus

Anlass für die Abfassung seines berühmten Werkes „De civitate Dei“ war die Eroberung Roms durch die Westgoten. Dieses Ereignis hat auch viele Christen sehr erschüttert. Das Römische Reich und die Gottes Herrschaft konnten nicht mehr miteinander identifiziert werden (wie noch bei Eusebius).
Augustinus unterscheidet zwei Gemeinschaften: die civitas Dei und die civitas terrena. Die Entscheidung, wer welcher Welt angehört, fällt anhand dessen, wovon Menschen sich bestimmen lassen: von der Stärke Gottes oder von der eigenen Stärke, von der Liebe zu sich selbst oder von der Hoffnung auf Gott. Die Gemeinschaft der civitas Dei besteht schon heute, aber als eine unsichtbare Gemeinschaft. Keine soziale Gruppe, auch die Kirche nicht, ist mit dieser Gemeinschaft identisch. Wer wohin gehört, ist völlig verborgen. Die endgültige Unterscheidung wird erst im Jüngsten Gericht erfolgen. Das Gericht wird die einen zur ewigen Seligkeit, die anderen zum endgültigen Unglück verurteilen. Alle Dinge dieser Welt sind vorläufig.

Otto von Freising

Kontext seiner Zeit: Fast alle Menschen sind Christen, Kaiser und Kirche spielen zusammen, wenn auch oft spannend. Dann aber stellt der Investiturstreit dieses Weltbild in Frage. Otto beruft sich auf Augustinus. Gleichzeitig feiert er auch die Herrschaft Konstantins als Goldenes Zeitalter. Im Gegensatz zu Augustinus identifiziert Otto die civitas Dei mit der Kirche, vor allem mit dem Mönchtum. Die Verwirrung in seiner Zeit deutet Otto als die Zeit der Heimsuchung vor dem Ende.

Zum Teil 1

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