Eschatologie, Teil 5

Teil 5: Das neuzeitliche Fortschrittsdenken

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.
Das zyklische Denken der Antike wurde im Judentum und dem Christentum durch einen linearen Verlauf der Geschichte abgelöst. Die Geschichte hat ein Ende und ein Ziel. In der Neuzeit verband sich damit die Idee einer festen, naturwissenschaftlichen Aufwärtsentwicklung.

Bei Karl Marx wird es zur Aufgabe des Menschen, die Aufwärtsentwicklung vorwärts zu treiben. Im 19. Jahrhundert vereinte sich der Fortschrittsgedanke mit der Erkenntnis der biologischen Evolution, eine Lehre, die im ausdrücklichen Gegensatz zur christlichen Schöpfungslehre und mit religiösem Eifer vorgetragen wurde. Daher rührt auch die Skepsis und Ablehnung von Seiten der Päpste.

Eine Synthese gelang erst Pierre Teilhard de Chardin (+1955), der zugleich gläubiger Mensch und begeisterter Naturwissenschaftler war. Er entwirft eine kosmische Schau, die ganz vom Gedanken der Evolution bestimmt ist. Von der Entstehung der Erde über die Entstehung des Lebens und die Entstehung des Geistes vollzieht sich die Entwicklung des Kosmos und darin der Aufstieg des Menschen. Ende und Ziel der Geschichte ist der Punkt Omega, das ist Christus. Christus ist es auch, der in der Evolution die Entwicklung vorantreibt. Die Gedanken von Teilhard de Chardin fanden in der Kirche ein geteiltes Echo. Spuren davon sind im Zweiten Vatikanischen Konzil zu finden. Aber sowohl das Konzil als auch die Synode der Bistümer halten die Zuordnung von Hoffnung und Geschichte in der Schwebe.

Zum Teil 1

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