Eschatologie, Teil 6

Teil 6: Systematische Reflexion auf die allgemeine Eschatologie

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Wie lassen sich die Aussagen der Bibel und der kirchlichen Lehre über die Hoffnung für das Schicksal der Welt verstehen?

  • Neuscholastik: Gegenwart und innergeschichtliche Zukunft sind deutlich von der eschatologischen Erwartung abgegrenzt. Angst und Hoffnung für den einzelnen bestimmen das Denken.
  • Rudolf Bultmann: die Aussagen des NT beziehen sich überhaupt nicht auf eine ferne Zukunft, sondern auf das Leben des Einzelnen hier und jetzt. Jesus Christus will jetzt bei dir ankommen, dich befreien und verwandeln. Es geht um deine Existenz, nicht um ein objektives Geschehen der Welt.
  • Jürgen Moltmann: Allein die Treue Gottes ist der Grund der Hoffnung, der Glaube hat eine starke Bedeutung für den Einzelnen wie für die Gesellschaft – die Hoffnung mobilisiert dazu, gegen die schlimmen Zustände hier zu protestieren und einen Exodus daraus in Gang zu setzen.
  • Johann Baptist Metz: „Politische Theologie“ – wir sind eingeladen, an der Verwirklichung des Gottesreiches mitzuarbeiten. Glaube ist sozial und politisch, er gibt Kraft, die unguten Verhältnisse zu verändern.
  • Befreiungstheologie: das Gottesreich wächst da, wo Menschen politisch und sozial befreit werden, nicht mehr ausgebeutet werden, immer größere Hoffnung haben dürfen. Heil und innerweltliche Geschichte greifen ineinander, sind aber nicht identisch. Die Erlösung bleibt Geschenk.
  • Karl Rahner: Dialektik der Vollendung – das Reich Gottes ist ein Tun Gottes, es wird kommen und die Geschichte aufheben. Zugleich könnte es sein, dass die Geschichte sich selbst in die Zukunft Gottes hinein überschreitet. Innerweltliche Zukunft und absolute Zukunft sind nicht zu verwechseln, müssen aber nicht völlig getrennt voneinander gedacht werden. Christliche Theologie muss also auf die Zukunft ausrichten, und daran erinnern, dass diese Zukunft offen ist.

Zum Teil 1

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