Eschatologie, Teil 9

Teil 9: Biblische Grundlagen der Hoffnung auf die Vollendung des Einzelnen (AT)

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Konzentration auf das Leben
Zunächst geht es um den einzelnen im alten Israel nur im Kontext des Volkes. Die entscheidenden Hoffnungen sind:

  • in der Gemeinschaft des Volkes, der Sippe lange leben zu dürfen
  • zahlreiche Nachkommen zu haben
  • nicht in fremder Erde, sondern bei den Vätern begraben zu werden

Entsprechend schlimm sind: der frühe Tod, der Tod ohne Nachkommen, die Trennung vom Volk – auch schon zu Lebzeiten durch Krankheit, Urteil, … solche Situationen sind auch oft gemeint, wenn von „Tod“ die Rede ist. Einen Kult der Totenbeschwörung gibt es in Israel im Gegensatz zu den umliegenden Völkern nicht.

Scheolvorstellungen
Die Vorstellungen von der Scheol, einem Ort, wo die Toten aufbewahrt sind, sind kein Ausdruck der Hoffnung, sondern ein Ort von Kraftlosigkeit und Gottverlassenheit.

Bleibende Gottesgemeinschaft
Nach dem Exil wächst das Interesse am Schicksal des einzelnen. Reichtum und Glück sind in diesem Leben ungleich verteilt. Man fragt nach Gottes Gerechtigkeit und Treue und gelangt schließlich beim Nachdenken darüber über die Grenze des Todes hinaus.

Vor-Bilder des Auferstehungsglaubens?

  • Ez 37: die Auferstehung der Gebeine – bezieht sich auf das ganze Volk Israel, aber dennoch: man traut Gott dazu, aus der tiefsten Not aufzurichten
  • Hos 6,2: Auferweckung des Volkes, Rede vom dritten Tag
  • Jes 24-27: Das endzeitliche Fest aus dem Zion – Vernichtung des Todes, das Heil kommt für Israel und die Völker
  • Individuelle Zukunftshoffnung im späten AT
    Jes 26: umstritten, ob es um die individuelle Auferweckung oder symbolisch um das Volk geht
  • Dan 12: Äonenwende, Auferstehung und Gericht
  • 2 Makk: äußerste Unterdrückung – Gottes Treue rettet und schafft Gerechtigkeit, er stellt den gefolterten Leib und die durch das Martyrium zerbrochenen Beziehungen wieder her / keine Naherwartung der Zeitenwende
  • Weish: Hoffnung auf bleibende Beziehung mit Gott, Gerichtsgedanke, Zukunft nach dem Tod verbindet sich mit Unvergänglichkeit und Unsterblichkeit statt mit Auferstehung – die altisraelitischen, innerweltlichen Hoffnungen spielen keine Rolle mehr
  • Koh: starke Skepsis, keine Hoffnung über den Tod hinaus

 

Zum Teil 1

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