Krankheit und Krankenkommunion, Teil 1

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 1

In Vorbereitung auf einen Seminarabend habe ich mir die Gedanken von Eberhard Schockenhoff aus Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriss, Mainz 32000, 268-286 angeeignet.

Die christliche Deutung von Krankheit
Krankheit (v.a. längerdauernde) verändert das gesamte Interaktionsgefüge eines Menschen mit seiner Umgebung. Die Reaktionsweisen auf Krankheit sind daher entsprechend vielgestaltig. Krankheit kann als sinngebend und sinnbedrohend empfunden werden, konstruktiv und destruktiv, sie kann als Instrument dazu dienen, andere zu beherrschen, Zuwendung zu gewinnen usw.

In religiöser Deutung sind Gesundheit und Krankheit komplementäre Weisen des Daseins, aber nicht völlig voneinander verschieden. Leben ist grundsätzlich endlich und unzulänglich, dieses Wissen umfängt beides. Weder vorschnelle Annahme noch verzweifelter Kampf gegen den eigenen Tod sind angemessene Reaktionsweisen. Gesundheit ist nicht der höchste Wert und das Ziel des Lebens, als ob Krankheit jeden Sinn zunichte mache, Krankheit wird aber auch nicht verklärt, als ob sie einen eigenen Erlösungswert habe. Gesundheit und Krankheit greifen ineinander, sind Wegabschnitte.

Im AT
Die Bibel ist an den Grunderfahrungen interessiert, die Menschen in Krankheit machen. Es geht den Texten um Leid und Not, die die Kranken erfahren, so sehr, dass die Leidensschilderungen z.B. in den Psalmen oft von der körperlichen Not in andere Bereiche übergreifen.

Es gab im alten Israel keine Einrichtungen für Kranke und Alte. Der Krankenbesuch war selbstverständliche Pflicht der Nächstenliebe (2 Kön 8,29; 9,16; Ijob 2,11-13; Ps 41,7), dennoch wurde das Leid der Kranken verschärft durch die Lehre, dass Krankheit eine Strafe von Gott und unmittelbare Folge der eigenen Sünde sei (Tun-Ergehens-Zusammenhang).

Die Konsequenzen:

a)      Auch Leid und Krankheit stammen von Gott

b)      Der Kranke ist ein Sünder und hat sich die Krankheit selbst zuzuschreiben

c)       Der Kranke hat die Reinheit des Gottesvolks befleckt

Erst das Buch Ijob lehnt sich gegen diese Deutung auf. Ebenso zeigen auch die Krankheitspsalmen ein anderes Bild: schwere Krankheit ist eine existentielle und religiöse Krise und Anlass zur Frage nach Gott, zur Klage. Nicht jedes Leid kann als Strafe, Läuterung oder Prüfung verstanden werden.

Eine andere Grundüberzeugung: Gott allein kann heilen, Jahwe ist der einzige „Arzt“ (Ex 15,26; Jes 19,22; Jer 3,22). Doch auch hier ergab sich ein Wandel. Im Buch Jesus Sirach wird auch die Wirksamkeit der Ärzte anerkannt, wenn auch auf Gott zurückgeführt (Sir 38,1). Krankheit ist also nicht mehr ein ausschließlich sündhafter Zustand, sondern lässt sich mit medizinischen Mitteln bekämpfen. Das ärztliche Wirken liegt aber noch ganz in der Verlängerung des Heilswirkens Gottes. Erst der nachbiblische Talmud schärft eine gesunde Lebensführung ein, Medizin wird nicht mehr als Konkurrenz zu Jahwes Heilsmonopol gesehen, Ärzte erlangen große Wertschätzung.

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