Krankheit und Krankenkommunion, Teil 2

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 2

In Vorbereitung auf einen Seminarabend habe ich mir die Gedanken von Eberhard Schockenhoff aus Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriss, Mainz 32000, 268-286 angeeignet.

Krankheit im Neuen Testament
Jesus hat eine besondere Vorliebe für die Kranken (vgl. Mt 9,12). Die Krankenheilungen sind ein besonderes Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft.

Zum Kern von Jesu Wirken gehören Dämonenaustreibungen als wirksames Zeichen der messianischen Heilszeit (vgl. Lk 11,20). Die äußere Heilung macht deutlich, dass Gottes Wirken bis ins tiefste Innere reicht und den Grund der Krankheit, die Verfallenheit an das Böse, vom Kern her aufbricht.

Die eigentlichen Heilungserzählungen stellen Jesu heilende Kraft in den Mittelpunkt. Gottes Herrschaft lässt sich spüren, gerade da, wo Menschen ganz konkret in Not sind.

Wichtig ist dabei immer der Glaube der Geheilten. Damit ist nicht ein inhaltlich gefüllter Glaube gemeint, sondern das unbedingte Vertrauen auf Gott, das aus existentieller Not erwachsen kann:
In aussichtsloser Lage kann das für unmöglich Gehaltene doch noch geschehen.

Jesus übt scharfe Kritik am Vergeltungsdenken seiner Zeit und an der Verschlimmerung der Not der Kranken, die dadurch geschieht, dass den Leidenden ihr Leiden noch als Schuld angerechnet wird (vgl. Lk 13,1-5; Joh 9,2ff). Dagegen wendet sich Jesus scharf, weil

  • das unbarmherzige Konsequenzen für den Umgang mit Kranken hat
  • es gleichzeitig die Solidarität der Gesunden mit den Kranken behindert, da die Kranken ja wohl selber schuld seien
  • es die Gesunden in eine falsche Sicherheit wiegt nach der Überlegung, wem es gut gehe, der habe wohl nicht gesündigt

Das NT sieht dabei durchaus einen Zusammenhang zwischen Sünde und Leid/Krankheit, allerdings nicht als zurechenbare Schuld des Einzelnen, sondern als Allgemeinzustand der Welt.

Für Paulus zeigt sich in der Krankheit die Nähe Gottes und die Kraft des Gekreuzigten in besonderer Weise. So deutet und verarbeitet Paulus seine eigene, offenbar chronische Krankheit, unter der er sehr gelitten hat. Der Makel, den ihm die Gegner vorwerfen, ist eine Schwachheit, in der sich die Kraft Christi erweist. Angesichts des Leidens zeigt sich die Macht Christi, und der Apostel bekommt einen Zugang zu den Schwachen und Kleinen (2 Kor 12,10).

Zentral ist der Bezug zum Gekreuzigten, der gelitten hat, aber nach der Auferstehung in Gottes Kraft lebt. Wer leidet, weiß sich in Gemeinschaft mit dem leidenden Christus. Wer mit Christus leidet, wird auch mit ihm verherrlicht werden. Daraus erwächst eine für die damalige Umwelt auffallende Praxis der Christen, sich um die Kranken zu kümmern. Die Kranken haben der Kirche, der Gemeinschaft der Gläubigen, etwas zu geben, und umgekehrt hilft die Solidarität in Tat und Gebet auch den Kranken, ihr Leiden zu bestehen.

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