Wort Gottes

Christinnen und Christen glauben, dass Menschen Erfahrungen mit Gott machen. Menschen haben diese Erfahrungen zuerst weiter erzählt und dann aufgeschrieben, vor vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden: Geschichten aus dem Volk Israel, Alltägliches und Großes. Sie haben im Wirken von Menschen, in Vorgängen der Natur und im Lauf der Geschichte Gott  gesucht und gefunden.

Was in der Bibel steht, ist zuerst Erzählung gewesen, Geschichten, die man sich abends am Lagerfeuer und zu Hause erzählt hat. Später wurden diese Erzählungen, aber auch Lieder und Gedichte, Sprüche und Botschaften aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben.

Die jüdische Kultur war und ist eine Kultur von Erzählen und Hören – gar nicht so sehr von Auge und Sehen. In der jüdischen Tradition sagt man: Glaube kommt vom Hören. Und da schwingt zweierlei mit:

  • Zum einen kann ich sagen: Ich glaube, was du mir erzählt hast; dass das stimmt.
  • Wichtiger noch aber ist der zweite Aspekt: Ich glaube dir, ich schenke dir mein Vertrauen.

Glauben ist Vertrauen, Glauben ist Beziehung.

In diese Beziehung lassen wir uns heute mit hineinnehmen. Und die alten Erzählungen von damals gewinnen an Bedeutung für uns, wenn wir sie uns gegenseitig erzählen und entdecken, was sie in uns zum Klingen bringen. Wo spricht das, was diese Menschen mit Gott erlebt haben, auch mich heute an? Wo entdecke ich einen Anhaltspunkt, dass Gott auch in mein Leben hineinspricht?

Denn er hat ja nicht einfach aufgehört, mit den Menschen zu sein, als die Bibel – dieses Buch – fertig war.

Und so kann das, was niedergeschrieben ist, uns helfen zu entdecken, wie Gott heute mit uns, mit mir unterwegs ist.

Die Erfahrung, dass Gott in meinen Leben zu Hause ist, die wünsche ich uns allen.

Gott ist die Liebe – zu 1 Joh 4,7-12

Verehrte Anwesende, Schwestern und Brüder im Herrn,

Die Lesung aus dem ersten Johannesbrief, die wir gerade eben gehört haben, enthält eine Spitzenaussage des Neuen Testaments: Gott ist die Liebe. Gott ist so überfließende Liebe, dass er die Welt erschaffen hat. Aus Liebe erhält er sie. Und aus Liebe wendet er sich immer wieder den Menschen zu, auch wenn wir ihn manchmal enttäuschen, weil wir lieb-los sind.

Doch Gott kann gar nicht anders, als an uns festzuhalten, er gibt uns niemals auf. Das hat er dadurch gezeigt, dass er seinen Sohn Jesus Christus gesandt hat. Jesus hat die Liebe des Vaters verkündet, ist aber nicht bei den Worten stehengeblieben. Er hat die Menschen die Liebe Gottes erfahren lassen, indem er sie heilte, indem er Ausgestoßene wieder in die Gemeinschaft geholt hat, indem er Sündern die Versöhnung gebracht hat.

Unsere Liebe, was wir aus Liebe tun, ist ein Widerschein der göttlichen Liebe, der manchmal zaghafte Versuch einer Antwort – und doch kommt Gott darin vor. Im ersten Johannesbrief haben wir gehört: Wenn wir einander lieben, bleibt Gott in uns. Anders ausgedrückt: Da wo Menschen einander lieben, kommt ein Stück Himmel auf die Erde.

Dabei gilt freilich zu bedenken: wenn hier von Liebe die Rede ist, ist damit nicht nur ein Gefühl gemeint, ein flüchtiges vielleicht, so wie verliebt sein. Nein, wahre und wirkliche Liebe ist ausdauernd, zeigt sich im Kleinen, oft mühsamen Alltag, z.B. in der liebevollen, hingebungsvollen Pflege einer alten Person. Liebe, das sind Worte und Taten, die zeigen: du bist mir nicht egal, du liegst mir am Herzen. Wie sich Liebe zeigen kann, zeigt die folgende Geschichte:

Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein.

Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus.

Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleichgroße Stöße: für jeden einen Stoß Garben.

Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der Ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht. Er stand auf und nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.

In der gleichen Nacht nun, eine geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er mußte an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen? Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zu dem Stoß des Älteren.

Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und jeder war erstaunt, dass die Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte darüber zum anderen ein Wort.

In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich, und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen.

Auf halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher und brüderlicher Liebe. Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: Heilig ist mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen!

(Wortlaut der Geschichte aus http://www.predigt-eichendorf.de/Texte/DBArchiv05/54913_sontrin.htm)
Soweit die Geschichte: ich wünsche Ihnen und uns allen, dass wir Gott unter uns wohnen lassen können, und dass wir darauf vertrauen können, dass unsere Verstorbenen schon jetzt in der Liebe Gottes geborgen und aufgehoben sind. Amen.

Beten – zu Mt 6,1-6

Für einen Trauergottesdienst – gedacht wurde eines Menschen, der zeitlebens viel gebetet hat – habe ich diese Ansprache verfasst:

Natürlich ist nicht nur an dieser Stelle von Beten in der Bibel die Rede. Im Gegenteil: das Thema „Beten und Gebet“ durchzieht die ganze Bibel, Altes und Neues Testament.

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Ansprache zum Floriansgottesdienst der Feuerwehr

Am Montag, 4.5., hatte ich die Ehre, den Floriansgottesdienst der Feuerwehr zu leiten.

Ich hatte mich im Vorfeld mit dem Kommandanten zusammengesetzt – ein ganz wichtiges Thema für ihn war die Kameradschaft.

Als Evangelium habe ich ausgesucht Mt 7,21.24-27.

Zu Beginn der Ansprache lenkte ich den Blick der Anwesenden nach hinten, wo die Feuerwehr zur Demonstration einen Kameraden von der Empore in den Kirchenraum nach unten abseilte. Darauf schloss sich meine Predigt an:

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Am größten unter ihnen ist die Liebe (zu 1 Kor 13)

Aus der Ansprache bei einer Trauerfeier, die ich gehalten habe:

Vielleicht waren manche von Ihnen irritiert, diese Worte hier und heute zu hören. Diese Lesung erwartet man doch bestimmt bei einer Hochzeit, aber bei einer Trauerfeier?

Ich habe mich dazu entschieden, genau diese Worte aus der Bibel zu nehmen, weil sie für mich etwas ganz Wesentliches über den Kern des Glaubens aussagt: im Zentrum des Glaubens steht die Liebe, die alles hofft. Und ist nicht auch ein Trauergottesdienst genau das: eine Feier der Liebe, die alles hofft?

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Ebnet ihm die Straßen – Gedanken zu Lk 3,1-14

Aus einer Ansprache, die ich bei der Bußfeier im Advent 2013 in St.Andreas gehalten habe:

Advent ist: Wir bauen eine Straße für unseren Gott, damit er ankommen kann.
Advent heißt ja: Ankunft.
Jedes Loch soll aufgefüllt, jede Erhebung eingeebnet werden.

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Unsere Heimat ist im Himmel – Gedanken zu Phil 3,20-21

„Unsere Heimat ist im Himmel“

Beim Wort „Heimat“ klingen bei jedem von uns wahrscheinlich andere Töne an. Heimat ist für die einen die Gegend, in der sie geboren und aufgewachsen sind, auch wenn sie vielleicht schon lange nicht mehr dort wohnen. Für die meisten ist Heimat allerdings nicht in erster Linie ein Ort, sondern sind Menschen und Beziehungen.
Im griechischen Original steht für das Wort „Heimat“ der Einheitsübersetzung „politeuma“, da steckt die polis drin, der Stadtstaat. Das hat nochmal einen anderen Akzent.
„Politeuma“ heißt: Vollbürger sein in einer Gemeinschaft, einem Gemeinwesen. Man könnte also auch übersetzen: Wir sind Bürgerinnen und Bürger des Himmels. Wenn wir einmal dorthin kommen, kommen wir in unser eigenes, dahin, wo wir mit Fug und Recht hingehören. Das ist eine tröstliche Aussicht.
Die Kehrseite: wir sind hier auf Erden noch nicht zuhause, noch nicht da, wo wir eigentlich hingehören.
Das richtig zu verstehen oder besser zu leben ist eine Gratwanderung. Die Atheisten des 19.Jahrhunderts haben der Kirche mit einem gewissen Recht vorgeworfen, die Menschen auf das Jenseits zu vertrösten, damit sie das Elend im Diesseits widerspruchslos hinnehmen.
Das war in manchen Fällen bestimmt auch so – der Himmel als Weltflucht, vor lauter Nach-oben-Gucken nicht mehr darauf achten, was hier passiert.
So ist es freilich nicht gedacht. Christinnen und Christen sollen nach dem Vorbild Jesu sich ganz auf das irdische Leben einlassen, mit all seinen Facetten, mit seiner Schönheit – Jesus hat auch gerne gefeiert – aber den Blick auch sehr genau auf das Elend richten, das es hier gibt, mit dem Auftrag zu helfen, wo es nötig ist – Jesus hat gerade die Ausgegrenzten gesucht und Ihnen geholfen.
Der Glaube daran, dass diese Welt nicht das Endziel unseres Lebens ist, das biologische Vergehen nicht das einzige, was uns erwartet, dieser Glaube kann befreien, kann innerlich frei machen von Zwängen, die unser Leben vermeintlich oder tatsächlich bestimmen.
Wenn ich im Himmel eine Heimat habe, wenn da noch etwas kommt, kann ich z.B. gelassener damit umgehen, wenn ich hier auf Erden nicht alle Möglichkeiten des Lebens erfüllen kann. Es ist ja so: indem ich hier eine Wahl treffe, mich für einen Beruf entscheide, für eine Partnerschaft, für einen Wohnort, schließe ich automatisch andere Möglichkeiten aus – ich hätte mir durchaus auch einen anderen Beruf, eine andere Partnerin, eine andere Gegend vorstellen können. Wenn ich in diesem Jahr nach Frankreich in Urlaub gehe, kann ich zur gleichen Zeit nicht in Portugal sein. Nicht alles ausschöpfen können, was es gibt, macht manche Menschen rastlos, sie sind verzweifelt auf der Jagd nach der nächsten goldenen Gelegenheit und können sich nicht festlegen.
Christinnen und Christen können da gelassen bleiben. Ein erfülltes Leben wird der finden, der sich für eine konkrete Möglichkeit entscheidet, für seinen Platz in dieser Welt, und diesen dann menschlich, human gestaltet für sich und andere, im Vertrauen darauf, dass die schlussendliche Erfüllung sich nicht im Hier und Jetzt ereignen muss, sondern am Ende auf uns wartet.
Und weiter: Der Glaube daran, dass die Heimat im Himmel ist, hat Christinnen und Christen die Kraft und den Mut gegeben, auch Drohungen und Gewalt zu widerstehen. Der Leib kann durch die Machthaber gefoltert und getötet werden, die Seele, das was den Menschen als Person ausmacht, geht lediglich nach Hause. Solchen Menschen, die in diesem Glauben feststehen, kann man nicht so viel anhaben wie anderen, für die das Diesseits das einzige ist, was sie haben.

Eine solche Haltung der Gelassenheit, des Mutes und der Hoffnung wünsche ich uns.

Demut, Selbstvertrauen, Gottvertrauen – Maria (zu Lk 1,26-38)

Aus einer Ansprache zu einer Goldenen Hochzeit, die ich gestern halten durfte, ein Auszug:

Es ist die erste Erwähnung Marias im Lukasevangelium. Sie wird noch mehrfach erwähnt, aber schon diese Stelle zeigt einige Besonderheiten, an denen wir erkennen können: sie eignet sich sehr gut dazu, ein Vorbild im Glauben zu sein – auch für uns heute.

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