Wort Gottes

Christinnen und Christen glauben, dass Menschen Erfahrungen mit Gott machen. Menschen haben diese Erfahrungen zuerst weiter erzählt und dann aufgeschrieben, vor vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden: Geschichten aus dem Volk Israel, Alltägliches und Großes. Sie haben im Wirken von Menschen, in Vorgängen der Natur und im Lauf der Geschichte Gott  gesucht und gefunden.

Was in der Bibel steht, ist zuerst Erzählung gewesen, Geschichten, die man sich abends am Lagerfeuer und zu Hause erzählt hat. Später wurden diese Erzählungen, aber auch Lieder und Gedichte, Sprüche und Botschaften aufgeschrieben und immer wieder abgeschrieben.

Die jüdische Kultur war und ist eine Kultur von Erzählen und Hören – gar nicht so sehr von Auge und Sehen. In der jüdischen Tradition sagt man: Glaube kommt vom Hören. Und da schwingt zweierlei mit:

  • Zum einen kann ich sagen: Ich glaube, was du mir erzählt hast; dass das stimmt.
  • Wichtiger noch aber ist der zweite Aspekt: Ich glaube dir, ich schenke dir mein Vertrauen.

Glauben ist Vertrauen, Glauben ist Beziehung.

In diese Beziehung lassen wir uns heute mit hineinnehmen. Und die alten Erzählungen von damals gewinnen an Bedeutung für uns, wenn wir sie uns gegenseitig erzählen und entdecken, was sie in uns zum Klingen bringen. Wo spricht das, was diese Menschen mit Gott erlebt haben, auch mich heute an? Wo entdecke ich einen Anhaltspunkt, dass Gott auch in mein Leben hineinspricht?

Denn er hat ja nicht einfach aufgehört, mit den Menschen zu sein, als die Bibel – dieses Buch – fertig war.

Und so kann das, was niedergeschrieben ist, uns helfen zu entdecken, wie Gott heute mit uns, mit mir unterwegs ist.

Die Erfahrung, dass Gott in meinen Leben zu Hause ist, die wünsche ich uns allen.

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 3

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 3

In Vorbereitung auf einen Seminarabend habe ich mir die Gedanken von Eberhard Schockenhoff aus Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriss, Mainz 32000, 268-286 angeeignet.

Religiöse Deutungsmuster des Krankseins
Kreuz und Auferstehung eröffnen den Kranken eine neue Perspektive. Die Selbstverständlichkeit und Alltäglichkeit von Krankheit und großer Not in Antike, Mittelalter und Neuzeit und die intensive Auseinandersetzung damit führen allerdings oft auch zu einer Verklärung und mystischen Überhöhung.

Eine christliche Deutung von Krankheit muss den folgenden Rahmen akzeptieren:

  • Krankheit und Leid sind widergöttliche Mächte und widersprechen dem Reich Gottes, das in Jesus angebrochen ist
  • Kein Leid und keine Not ist mehr gottfern, wer leidet, ist nicht gottverlassen.
  • Krankheiten sind nicht immanent sinnvoll, wohl aber kann ein Mensch seiner Krankheit einen individuellen Sinn geben.

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Krankheit und Krankenkommunion, Teil 2

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 2

In Vorbereitung auf einen Seminarabend habe ich mir die Gedanken von Eberhard Schockenhoff aus Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriss, Mainz 32000, 268-286 angeeignet.

Krankheit im Neuen Testament
Jesus hat eine besondere Vorliebe für die Kranken (vgl. Mt 9,12). Die Krankenheilungen sind ein besonderes Zeichen der anbrechenden Gottesherrschaft.

Zum Kern von Jesu Wirken gehören Dämonenaustreibungen als wirksames Zeichen der messianischen Heilszeit (vgl. Lk 11,20). Die äußere Heilung macht deutlich, dass Gottes Wirken bis ins tiefste Innere reicht und den Grund der Krankheit, die Verfallenheit an das Böse, vom Kern her aufbricht.

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Krankheit und Krankenkommunion, Teil 1

Krankheit und Krankenkommunion, Teil 1

In Vorbereitung auf einen Seminarabend habe ich mir die Gedanken von Eberhard Schockenhoff aus Ethik des Lebens. Ein theologischer Grundriss, Mainz 32000, 268-286 angeeignet.

Die christliche Deutung von Krankheit
Krankheit (v.a. längerdauernde) verändert das gesamte Interaktionsgefüge eines Menschen mit seiner Umgebung. Die Reaktionsweisen auf Krankheit sind daher entsprechend vielgestaltig. Krankheit kann als sinngebend und sinnbedrohend empfunden werden, konstruktiv und destruktiv, sie kann als Instrument dazu dienen, andere zu beherrschen, Zuwendung zu gewinnen usw.

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Eschatologie, Teil 9

Teil 9: Biblische Grundlagen der Hoffnung auf die Vollendung des Einzelnen (AT)

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Konzentration auf das Leben
Zunächst geht es um den einzelnen im alten Israel nur im Kontext des Volkes. Die entscheidenden Hoffnungen sind:

  • in der Gemeinschaft des Volkes, der Sippe lange leben zu dürfen
  • zahlreiche Nachkommen zu haben
  • nicht in fremder Erde, sondern bei den Vätern begraben zu werden

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Eschatologie, Teil 8

Teil 8: Zentrale Inhalte der allgemeinen Eschatologie

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Zum Abschluss der allgemeinen Eschatologie, der es um das Schicksal der Welt als ganzer geht, noch einmal zusammenfassend die zentralen Aussagen:

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Eschatologie, Teil 7

Teil 7: Zum Verständnis der allgemeinen Eschatologie

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Es ist nicht einfach, die Aussagen der Bibel und der theologischen Literatur über das Schicksal der Welt richtig einzuordnen. Daher folgen hier noch einige Hinweise:

Der Umgang mit dem möglichen Untergang

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Eschatologie, Teil 6

Teil 6: Systematische Reflexion auf die allgemeine Eschatologie

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Wie lassen sich die Aussagen der Bibel und der kirchlichen Lehre über die Hoffnung für das Schicksal der Welt verstehen?

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Eschatologie, Teil 5

Teil 5: Das neuzeitliche Fortschrittsdenken

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.
Das zyklische Denken der Antike wurde im Judentum und dem Christentum durch einen linearen Verlauf der Geschichte abgelöst. Die Geschichte hat ein Ende und ein Ziel. In der Neuzeit verband sich damit die Idee einer festen, naturwissenschaftlichen Aufwärtsentwicklung.

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Eschatologie, Teil 4

Teil 4: Geschichtliche Entwicklung – Von der Antike zum Mittelalter

In Vorbereitung auf einen Seminarabend im Rahmen der Ausbildung Trauerbegleitung habe ich folgenden Beitrag zusammengefasst:

Franz-Josef Nocke: L. Eschatologie, in: Theodor Schneider (Hg.): Handbuch der Dogmatik, Düsseldorf 2000, Bd. 2, 377-478.

Alte Kirche

Die Naherwartung trat in den Hintergrund, es wurde stattdessen davor gewarnt, dass Gott jederzeit kommen könne. Die Zeit, die noch bis zum Kommen Christi bleibt, wurde als Chance zur Umkehr angesehen. Wenn die christlichen Denker sich mit ihrer Umwelt auseinander setzen, dann betonen sie manchmal, dass nur das Gebet der Christen das Römische Reich vor dem Untergang bewahre. Die Hoffnung wird individueller, die Auferstehung der Toten gewinnt an Bedeutung gegenüber der Vollendung der Welt.

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