Die Bulle „Unam sanctam“ (1302) Bonifatius VIII.

Bonifatius VIII. wurde als Benedetto Caetani 1235 in Anagni geboren. Von 1264 bis 1294 war er als Jurist und Diplomat für die Kurie tätig. Im Jahr 1294 erfolgte die Wahl Coelestins V., der aber noch im gleichen Jahr unter unklaren Umständen wieder abdankte. Im Jahr darauf wurde Benedetto Caetani als Bonifatius VIII. zum Papst gewählt und gekrönt. Bald geriet er mit Frankreich in schwere Konflikte. Die Bulle „Unam sanctam“ von 1302 erschien am Zenit des mittelalterlichen Papsttums und behauptete noch einmal in zuspitzender Formulierung den Primat des Papstes. Doch schon 1303 wurde Bonifatius VIII. durch einen französischen Trupp gefangengenommen und misshandelt. Er starb im Oktober 1303.

Hier eine kurze Zusammenfassung des Inhalts der Bulle:

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Ekklesiologische Kennzeichen des Hochmittelalters II

Zum ersten Teil.

Andere Aufgaben der Kirche blieben gleich: Kirchen waren nach wie vor gefragt als Grablege der adligen und zunehmend städtisch-bürgerlichen Oberschicht, die nachgeborenen Söhne und Töchter wurden in kirchlichen Führungsaufgaben oder Klöstern versorgt und spielten im Konzert der familiären Politik mit. Da der Bischof immer mehr juristische und administrative Befugnisse an sich zog, konnte er sich nicht mehr ausreichend seinen geistlichen Pflichten widmen. Manche „Bischöfe“ waren gar nicht mehr zum Bischof geweiht, sondern nur zum Subdiakon, und überließen die religiösen Aufgaben, für welche die Bischofsweihe erforderlich war, den sogenannten „Weihbischöfen“.

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Ekklesiologische Kennzeichen des Hochmittelalters I

Zum Frühmittelalter.

Das Hochmittelalter war für die lateinische Kirche eine sehr prägende Zeit. Durch die cluniazensische Reform hatte sie an Schlagkraft und Ansehen gewonnen. Lange und erfolgreich regierende Päpste wie Innozenz III. übten großen Einfluss auf die Politik ihrer Zeit aus.

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Ekklesiologische Kennzeichen des Frühmittelalters II

Zum ersten Teil.

Die fränkischen Könige, allen voran Karl der Große, suchten die Anerkennung durch den Papst. Der Höhepunkt für jeden König war die quasi-religiöse Salbung zum Kaiser, die nur der Papst vornehmen konnte. Damit traten die fränkischen Könige in Kontinuität zu den römischen Kaisern und bezeichneten sich auch so, als König und Kaiser der Römer und Schutzherr der Kirche, was zu einem Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit im Guten wie im Schlechten führte.

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Ekklesiologische Kennzeichen des Frühmittelalters I

In Vorbereitung auf ein Seminar habe ich versucht, die Kirchengeschichte des Frühmittelalters äußerst kompakt zusammenzufassen unter besonderer Berücksichtigung der Aspekte, die für die Ekklesiologie wichtig sind, z.B. welche Aufgaben und Funktionen die Kirche in dieser Zeit ausfüllte oder ausfüllen sollte, welche leitenden Kirchenbilder es gab usw.

Das Frühmittelalter ist durch eine wachsende Entfremdung zwischen dem griechisch-sprachigen Osten und dem lateinisch-sprachigen Westen gekennzeichnet.

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Unitatis Redintegratio (UR), Kap. 3 – die Kirchen des Abendlandes

► Zum ersten Teil.

In den Kapiteln 19-24 wendet sich das Konzil dann den Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften des Abendlandes zu, d.h. den aus der Reformation hervorgegangenen Konfessionen. Zu Beginn steht die Feststellung, dass eine besondere Bande in der gemeinsamen langen Geschichte bestünde, die Christen in der einen Kirche im Abendland zurückgelegt haben.

Eine genaue Einteilung oder Beschreibung dieser Konfessionen kann oder will das Konzilsdokument nicht geben, dazu seien die Unterschiede zwischen ihnen – und zwischen diesen und der katholischen Kirche zu schwerwiegend und zu groß.

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Unitatis Redintegratio (UR), Kap. 3 – die orientalischen Kirchen

► Zum ersten Teil.

Das dritte Kapitel ist überschrieben mit „Die vom Römischen Apostolischen Stuhl getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften“. Es enthält die Abschnitte 13-24 der laufenden Zählung und unterscheidet die orientalischen Kirchen von den aus der Reformation hervorgegangenen abendländischen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften.

Zunächst wird im Kapitel 13 diese Unterscheidung eingeführt. Zuerst kam es zu Spaltungen mit den monophysitischen Kirchen im 4.Jahrhundert und den orthodoxen Kirchen im 11.Jahrhundert, dann die Reformation im 16.Jahrhundert. Die Sonderstellung der anglikanischen Kirche wird erwähnt. Die Trennung, so wird gesagt, erfolgte aufgrund sehr verschiedener Umstände, und auch die Art und Weise der heutigen Unterschiede ist jeweils anders gelagert.

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Unitatis Redintegratio (UR), Kap. 2

► Zum ersten Teil.

Das zweite Kapitel, das mit „Die praktische Verwirklichung des Ökumenismus“ überschrieben ist, enthält die Abschnitte 5-12 in der laufenden Zählung.

Im Abschnitt 5 wird betont, dass die Ökumene Sache der ganzen Kirche, also sowohl von Hirten wie aller Gläubigen ist, und dass es eine geschwisterliche (der Text sagt: brüderliche) Verbindung unter allen Christen gibt.

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Unitatis Redintegratio (UR), Kap. 1

► Zum ersten Teil.

Das erste Kapitel, das auf das Vorwort folgt, enthält drei lange Abschnitte. Es ist überschrieben mit „Die katholischen Prinzipien des Ökumenismus“ (besser: der ökumenischen Bewegung).

Der erste Abschnitt zitiert Joh 17,21 „dass alle eins seien“ und erklärt, dass Christus das Sakrament der Eucharistie gestiftet habe, das die Einheit der Kirche bezeichnet und bewirkt. Außerdem wird das Gebot der Liebe und die Gabe des Heiligen Geistes genannt. Der Heilige Geist ist das Prinzip der Einheit der Kirche.

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Unitatis Redintegratio (UR)

Das Dekret über die Ökumenische Bewegung des II.Vaticanums wurde am 21.November 1964 mit 2137 zu 11 Stimmen angenommen und feierlich verkündet. Der Volltext findet sich auf deutsch unter http://www.vatican.va/archive/hist_councils/ii_vatican_council/documents/vat-ii_decree_19641121_unitatis-redintegratio_ge.html

Dort trägt das Dokument den Titel „Über den Ökumenismus“, was in der Tat wenig glücklich ist. Ich verwende daher lieber den Begriff „Über die Ökumenische Bewegung“, wie es K. Rahner und H. Vorgrimler im Vorwort zu „Unitatis Redintegratio“ vorschlagen (K. Rahner, H. Vorgrimler (Hg.): Kleines Konzilskompendium. Sämtliche Texte des Zweiten Vatikanums mit Einführungen und ausführlichem Sachregister, Freiburg 20.Aufl. 1987, 217).

In diesem und den folgenden Beiträgen soll das Dekret zusammenfassend vorgestellt werden.

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