Freiwilligkeit und Pflicht in der Firmvorbereitung?

Im vierten und letzten Teil nun die Schlussfolgerung:

Die Firmvorbereitung ist zunächst und zuallererst als ein Angebot und als Vorschlag zu verstehen: Als Firmverantwortliche und Firmteamer/innen versuchen wir den Jugendlichen einen Weg zu bereiten – Aktionen und Gottesdienste, die nach unserer Erfahrung gut und wichtig sind, um zu verstehen und zu erfahren, wie Gottes Geist in der Kirche konkret wird. Was wir anbieten, reflektiert natürlich immer unseren eigenen Erfahrungshorizont und die Rückmeldungen der Jugendlichen aus den vergangenen Firmvorbereitungen, die wir jedes Mal einsammeln und auswerten, und wird daher nie dem Glaubensstand und der Lebenssituation jedes einzelnen Jugendlichen voll gerecht werden.

Deswegen ist es wichtig

  1. Die Jugendlichen in dieser Firmvorbereitung und ihre Lebenswelt kennenzulernen, was sie beschäftigt, was ihre Fragen sind, und ein Beziehungs- und Vertrauensverhältnis aufzubauen. Dafür ist natürlich Zeit und Gelegenheit einzuplanen. Wenn eine vertrauensvolle Atmosphäre gegeben ist, werden sich die Jugendlichen öffnen und von sich aus melden, wenn ihnen etwas gegen den Strich geht. Gespräche unter vier Augen mit einer/einem Firmteamer/in der Wahl haben sich dabei als hilfreich herausgestellt.
  2. Gezielt Rückmeldungen – auch während der Firmvorbereitung – darüber einzuholen, wie die Aktionen und Gottesdienste empfunden werden, und sich auch nicht zu scheuen, ggf. den Firmweg unter der Zeit entsprechend zu korrigieren.
  3. Verschiedene und auch verschieden lange Firmwege zu eröffnen. So ist z.B. anzuerkennen, wenn ein/e Jugendliche/r eifrig bei den Ministranten tätig ist und mit dem Gottesdienst der Kirche sehr vertraut. So jemand müsste dann unter diesem Aspekt keinen zusätzlichen Aufwand und zusätzliche Termine aufgebürdet bekommen. Wir bieten den Jugendlichen auch gewisse Freiheiten, zwischen alternativen, aber gleichwertigen Projekten nach ihrem Geschmack und ihren zeitlichen Möglichkeiten zu wählen.

An einer gewissen Individualisierung des Firmwegs führt also m.E. kein Weg vorbei.

Die oben genannten Überlegungen gelten, solange und sofern man an der gemeinschaftlichen Hinführung von Jugendlichen zum Firmsakrament überhaupt festhält. Man könnte sich ja auch eine radikale Individualisierung vorstellen, so wie hierzulande die Kindertaufe, das Ehesakrament und auch die Beichte über’s Jahr und völlig individualisiert begangen werden. Dann müsste man freilich darüber nachdenken, ob das bischöfliche Firmprivileg (das bei uns durch zahllose Delegationen sowieso ausgehöhlt ist) nicht aufgegeben werden sollte. Und selbst im Fall einer völlig individualisierten Firmung würde ich von einer Hinführung nicht absehen. Wenn die Firmung als einen Inhalt das Bekenntnis des mündigen Christen zum Glauben hat, dann wird der Firmbewerber seine Mündigkeit dadurch zeigen, dass er für ein tieferes Kennenlernen des Glaubens bzw. einen Austausch über den Glauben offen ist. Ohne diese Offenheit kann das Sakrament nicht wirksam werden. Über Form, Länge und Inhalt wäre dann im Einzelfall zu verhandeln.

Und noch ein Faktor ist in alle Überlegungen miteinzubeziehen: Die zeitlichen, personalen und situativen Möglichkeiten der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Vieles wäre wünschenswert, aber nicht alles machbar …

Zum Teil 1Teil 2Teil 3

Freiwilligkeit und Pflicht in der Firmvorbereitung?

Was könnte denn dagegen sprechen, die verpflichtende Teilnahme an der Firmvorbereitung zur Voraussetzung für den Empfang der Firmung zu machen?

  • Glauben kann man nicht erzwingen: nur die freiwillige, gewollte Zustimmung lässt das Sakrament zur Entfaltung kommen.
  • Ob jemand glaubt, kann man nicht von außen sehen: Wer könnte sich anmaßen, dem Wunsch eines Menschen nach Firmempfang im Wege zu stehen?
  • Gottes Geist wirkt, wo er will, er bindet sich nicht an ein bestimmtes Firmkonzept oder eine bestimmte Anzahl von Gottesdienstbesuchen oder zu besuchenden anderen Veranstaltungen.
  • Gottes Liebe kommt jedem Bemühen des Menschen zuvor. „Er lässt seine Sonne aufgehen über Bösen und Guten, und er lässt regnen über Gerechte und Ungerechte.“ (Mt 5,45). Seine Barmherzigkeit kennt kein Maß und schließt auch die mit ein, die auf unvorhersehbaren Wegen zu ihm kommen.

Siehe: Teil 1Teil 2 – Teil 4

Freiwilligkeit und Pflicht in der Firmvorbereitung?

Was könnte denn dafür sprechen, die verpflichtende Teilnahme an der Firmvorbereitung zur Voraussetzung für den Empfang der Firmung zu machen?

  • „Was nichts kostet, ist nichts wert“: Die Jugendlichen sollen das Sakrament der Firmung schätzen, und sie tun das eher, wenn sie einen Einsatz dafür bringen müssen.
  • Die Jugendlichen sollen vorbereitet sein. Das Sakrament kann ja nur ankommen, wirksam werden, wenn die Empfänger dafür offen und bereit sind und sich darauf einlassen können. Eine sinnvolle Vorbereitung wird dafür sorgen, dass sich die Jugendlichen auf einen Weg machen, der dann in der Firmspendung sein Ziel und seinen Höhepunkt findet. Durch die aktive Teilnahme an der Firmvorbereitung zeigen die Jugendlichen, dass sie bereit sind.
  • Firmung ist Sakrament der Entscheidung: Wie sollen die Jugendlichen wissen, zu was sie ja oder nein sagen, wenn sie Kirche, Glauben, Religion nicht kennenlernen konnten? Viele sind weit weg davon und müssen erst den Anstoß bekommen, sich wieder mehr damit zu beschäftigen.
  • Firmung ist Zuspruch und Herausforderung: Jugendliche brauchen den Anspruch, um das Sakrament in seiner herausfordernden Dimension ernstnehmen zu können. Sie sollen dazu provoziert werden, aus dem glaubensfernen und -kritischen Mainstream auszubrechen und müssen auch erst mal dazu befähigt werden, das tun zu können, wozu sie durch die Firmung beauftragt werden, nämlich Zeugen Jesu Christi und seiner frohen Botschaft zu sein.

Siehe: Teil 1Teil 3 – Teil 4

Freiwilligkeit und Pflicht in der Firmvorbereitung?

Die Firmvorbereitung neigt sich dem Ende zu und wieder stehe ich als Firmverantwortlicher vor der Frage: Was mache ich mit den Jugendlichen, die den vorgegebenen Firmkurs nicht in der erwarteten Art und Weise absolviert haben?Erwartet war die Teilnahme an einer bestimmten Anzahl von Projekten, die sie sich aber aussuchen konnten (aus den Bereichen „Gemeinschaft“, „Gottesdienst“, „Anderen helfen“, „Glauben erfahren“). Außerdem war ein Anmeldegespräch und die Teilnahme am Auftaktabend verpflichtend für alle. Was jetzt noch folgt, ist die „Nacht der offenen Kirche“ und ein Gespräch mit einem Priester für alle.

Insgesamt, denke ich wenigstens, ein machbares Programm mit nicht geringer Wahlmöglichkeit.

Weiterlesen

Die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre

Für die Kursgruppe des Theologischen Kurses möchte ich ganz knapp die Grundprinzipien der katholischen Soziallehre zusammenfassen:

  • Personalität – der Mensch ist Person, diese Würde kommt ihm von Anfang an zu, er muss sie sich nicht verdienen. Gleichzeitig ist der Mensch in Verantwortung genommen. Die Verantwortung wächst in gleichem Maße wie seine Möglichkeiten und Fähigkeiten (Kinder haben z.B. die gleiche Würde, aber noch nicht die gleichen Möglichkeiten und Fähigkeiten zur Übernahme von Verantwortung).
  • Solidarität – wir gehören zusammen, „einer trage des anderen Last“ (Gal 6,2) → die anderen haben ein Recht darauf, dass ich meinen Beitrag zum Gemeinwohl leiste.
  • Subsidiarität – die untere Ebene genießt bei der Erledigung von Gemeinschaftsaufgaben den Vorrang, obere Ebenen haben unterstützende Funktion, sie sollen die untere Ebene lediglich in die Lage versetzen, die Gemeinschaftsaufgabe zu erledigen.