Demut, Selbstvertrauen, Gottvertrauen – Maria (zu Lk 1,26-38)

Aus einer Ansprache zu einer Goldenen Hochzeit, die ich gestern halten durfte, ein Auszug:

Es ist die erste Erwähnung Marias im Lukasevangelium. Sie wird noch mehrfach erwähnt, aber schon diese Stelle zeigt einige Besonderheiten, an denen wir erkennen können: sie eignet sich sehr gut dazu, ein Vorbild im Glauben zu sein – auch für uns heute.

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Das Apostolische Glaubensbekenntnis VI: seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, …

Zum vorherigen Beitrag dieser Reihe.

Die einzigartig enge Verbindung zu Gott drücken die Evangelien dadurch aus, dass Jesus an mehreren Stellen als „Sohn Gottes“ bezeichnet wird. Er ist der einzige, für den Gott in dieser besonderen Weise Vater ist.
Der Titel „Herr“ war im Alten Testament Gott selbst vorbehalten. Wenn wir Jesus also „Herr“ nennen, dann bekennen wir, dass Jesus göttliche Würde hat. Er war also mehr als nur ein Prophet, und mehr als ein Mensch.

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Maria – die „Mutter Gottes“?

Maria ist die Mutter Jesu, soviel ist klar. Aber warum wird sie die „Mutter Gottes“ genannt?

Leider gibt es auf die Frage keine kurze Antwort, denn sie führt mitten hinein in die Ursprungsfrage des
Christentums: Wer war, wer ist Jesus?

Auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlichem Akzent versuchen die Evangelien darauf eine Antwort zu geben.
Alle vier Evangelisten sind sich einig, dass Jesus ganz und gar ein Mensch war. Er hat gegessen und getrunken, geliebt und gestritten und er ist – darauf legen alle sehr viel Wert – wirklich am Kreuz hingerichtet worden, gestorben und begraben worden.
Und natürlich wird ein richtiger Mensch auch von einer richtigen Mutter geboren, und das ist Maria. Sie ist die Mutter Jesu.

Genauso einig sind sich die Evangelien aber auch, dass Jesus nicht nur ein Prophet war, ein Heiler oder Prediger. Das war er sicher auch, aber noch viel mehr. Durch Jesus, so die Überzeugung derer, die ihn erlebt haben, konnte man Gott selbst erfahren, konnte man mit Gott direkt in Kontakt treten. Die Beziehung zwischen Jesus und Gott, den er seinen Vater im Himmel nannte, war anders als die zwischen den anderen Menschen und Gott, einzigartig.

Und Jesus ist nicht im Tod geblieben, sondern an Ostern auferweckt worden, zu neuem, ewigen Leben.

In einem Vergleich könnte man sagen: wie durch ein ganz reines Glas hat durch Jesus das Licht Gottes in diese Welt hineingestrahlt. Daher nennen die Evangelien Jesus den „Sohn Gottes“, den „Messias“ (übersetzt ins Lateinische: Christus) und den „Herrn“ (die Bezeichnung „Herr“ war im Alten Testament Gott selbst vorbehalten!). Und das war er von ganz von Anfang seiner Existenz an, also vom Augenblick der Empfängnis.

Es hat eine Weile und sehr viele Konflikte gebraucht, um diese beiden Pole gedanklich und begrifflich einigermaßen zu verarbeiten.
Herausgekommen ist ein Mysterium, ein Geheimnis, das man zwar umschreiben, aber nicht vollständig verstehen kann, dass es zwar nur einen Gott gibt, dieser in sich aber nicht monolithisch ist, sondern Dynamik und Bewegung, und dass sich drei „Personen“ unterscheiden lassen (aber nicht drei Götter!): der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Jesus ist der menschgewordene Gottessohn, die zweite Person des dreieinigen Gottes. Insofern in Jesus Gott in dieser Welt konkret Mensch wurde, ist Maria die Mutter Gottes für diese Welt.

Sie ist, darauf hat die Bischofsversammlung von Ephesus (431 n.Chr.), die diesen Glaubenssatz definiert hat, Wert gelegt, nicht die Mutter der Dreifaltigkeit oder gar selbst eine Göttin. Jesus hat von ihr nur seine menschliche Seite bekommen.

Die Aussage von der Gottesmutterschaft Marias enthält im Übrigen eine ganz starke spirituelle Aufforderung an die Kirche und jeden Christen (das hat das II.Vatikanische Konzil herausgearbeitet): so wie durch Maria, ihren Glauben und ihre freiwillige Bereitschaft, Gott in dieser Welt konkret wurde, so soll durch die Kirche und das Leben jedes einzelnen Christen Gottes Liebe jetzt und heute konkret werden, nicht mehr als
Person, als Mensch (da war und ist Jesus einzigartig), sondern in Taten und Worten.