Beten im Verborgenen – zu Mt 6,5-8

Macht es nicht wie die Heuchler – eine Mahnung steht im Evangelium. Das griechische Wort für Heuchler heißt eigentlich “Schauspieler”. Die Mahnung lautet also: Wenn ich bete, dann spreche ich mit Gott – welche Außenwirkung das hat, darauf soll es mir nicht ankommen.
Dass an dieser Stelle das Gebet im Verborgenen so hervorgehoben wird, bedeutet im übrigen keine keine Verurteilung des gemeinsamen Gebets oder des Gottesdienstes, solange wir auch dabei immer bedenken, dass auch dieses Gebet, dass auch Gottesdienst immer authentisch sein soll.

Worin liegt aber der besondere Wert des Betens im Verborgenen?
Das Da-Sein für sich ist der Beginn des Betens. Ohne Ablenkung sich selbst aushalten, in der stillen Kammer oder draußen in der Natur. Da erfahren Menschen, dass sich in der Stille und im Alleinsein, mehr im Hören als im Sprechen etwas öffnet, eine Erfahrung auftut, ein Spüren und Ahnen, dass da jemand ist, Gott, ein großes Du, der sich uns Menschen in liebender Aufmerksamkeit und Güte zugewandt hat und immer wieder zuwendet. So bereitet die Verborgenheit dem authentischen Gebet den Boden.

Das Gebet zielt auf die Beziehung zu Gott. Beten ist: Die Beziehung zu Gott zu suchen, ihm nachzuspüren, diese Beziehung zu pflegen: indem wir Gott bitten, indem wir ihn loben, indem wir ihm danken, aber auch das ist Beziehungsaufnahme, wenn wir ihn zornig anklagen oder ohnmächtig anschreien. Und nicht zu vergessen: wenn wir einfach da sind und schweigen.

Wir sprechen nicht zu Gott, weil Gott uns nötig hätte, sondern weil es uns gut tut, in Beziehung zu Gott zu treten. Gott respektiert unsere Freiheit. Er ist immer da, er wartet geduldig. Deshalb ist es zeitlebens nie zu spät, dass wir uns von uns aus öffnen und ihm zuwenden.

In dieser Beziehung zu Gott liegt das Leben. Diese Beziehung, die Gott von sich aus zu jedem Menschen knüpft, reißt – so glauben wir – durch den Tod nicht ab. Diese Beziehung ist wie ein Faden, an dem Gott uns festhält, auch über den Tod hinaus.